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Maren Mischke

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Quelle: Screenshot von www.babywalz.de
am 23.11.2012 um 16:59 Uhr

Am Donnerstag bekam ich einen Newsletter von „baby walz“, einem renommierten Anbieter für Baby-Sachen aller Art und nach einem kurzen Dialog auf Twitter mit einer andere Schwangeren hatte das dringende Bedürfnis, denen folgendes zu schreiben:

„Ich habe gerade Ihren Newsletter „★ 10% Sternenrabatt für Ihr Sternchen! ★“ mit dem Text „Sterne fallen nicht vom Himmel, sie werden geboren. Für die besonderen Momente mit Ihrem kleinen Schatz (…)“ erhalten.

Erst fand ich den Text nur kitschig, dann bin ich aber noch einmal über die Betreffzeile gestolpert. Der Ausdruck „Sternenkind“ sollte jemandem aus Ihrer Branche eigentlich ein Begriff sein, falls nicht, finden Sie unten die Definition bei Wikipedia. Auch wenn Ihre Formulierung abweichend ist, ist die Assoziation sehr schnell da.

Ich bin selbst nicht betroffen, finde diese Werbung allerdings höchst unpassend und unsensibel denjenigen gegenüber, die dieses Leid erfahren mussten.

Vielleicht wäre es ratsam, diese Werbung noch einmal zu überdenken.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sternenkind

Als ich mir das Bild dann noch einmal ansah, fiel mir auf, dass das Baby auf dem Foto zu allem Überfluss auch noch die Augen geschlossen hat und vermutlich schläft. Es könnte aber auch genauso gut tot sein. :( Und ich dachte daran, wie furchtbar ich mich als Betroffene verhöhnt fühlen würde, dass ich mein Kind dann immerhin in einem Strampler bestatten könnte, der 10% günstiger ist als sonst.

Ich überlegte, an wen ich das am besten adressiere und entschied mich für die Pinnwand der facebook-Fanpage, weil ich den Eindruck hatte, dass dort tatsächlich viel Kundenkommunikation stattfindet und weil es mich interessierte, ob vielleicht auch andere Newsletter-Empfänger so dachten.

Tatsächlich fand ich noch zwei weitere Einträge zu dem Thema und mein Beitrag wurde ebenfalls kommentiert. Nur zehn Minuten später hat baby walz tatsächlich geantwortet und es entwickelte sich folgender Dialog:

babywalz: Liebe Maren, danke für deinen Hinweis. Wir geben das sofort an den Newsletter-Service weiter. An dieser Stelle: Gemeint waren kleine Augensterne. Aber du hast recht, hier muss Sensibilität an erster Stelle stehen. Wir fühlen mit allen Eltern, die solches Leid erfahren mussten. Fast jeder von uns kennt jemanden, der betroffen ist. Euer baby-walz facebook-Team.

Ani Ka: Das war auch mein erster Gedanke. ungünstig gewählt!

babywalz: Hallo nochmal Marion und Ani Ka. Danke für eure Hinweise. Das war so natürlich auf keinen Fall beabsichtigt. Gut, dass es facebook gibt, wo unsere Kunden sich direkt mit uns austauschen können. So erfährt man im Unternehmen wirklich, was wichtig ist. Liebe Grüße!

Cindy: Danke, Maren , dass Du den Hinweis gegeben hast. Ich hab den Newsletter auch bekommen und mußte erstmal schlucken. Und dann kullerten die Tränen. Ich bin eine betroffene Mama mit 2 Sternchen (einem großen & kleinen Sternchen)

Ich konnte die Begründung mit den „Augensternen“ in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehen, fand die Reaktion aber angemessen. Und bei Cindys Kommentar habe ich mir ein Tränchen aus dem Augenwinkel wischen müssen.

Die schnelle Reaktion seitens des facebook-Teams weiß ich zu schätzen und ich finde es gut (auch, wenn das eigentlich selbstverständlich sein sollte), dass mein Pinnwandeintrag nicht gelöscht wurde. Doch auch wenn der Aktionszeitraum nur ein kurzer war, hätte ich mir gewünscht, dass der Aktionsbanner vorzeitig vom Internetauftritt genommen wäre.

7 Kommentare zu “ Unpassendes Werbemotiv und die Kundenkommunikation dazu ”

  1. Sabine

    Ich hatte mich an der Idee nicht gestört, weil ich gar nicht wusste, dass es Sternenkinder gibt. Wieder mal ein typisches Beispiel dafür, dass Kreative auch nicht alles wissen und das Pech haben können, mit einer gutgemeinten Idee, bei manchen den Vogel abzuschießen. Auch wenn aus staatlicher Sicht Nichtwissenheit nicht vor Strafe schützt, denke ich, sollte man so human sein und die Unwissenheit eines Nicht Betroffenen zur Rücksicht nehmen. Ein Werber sollte erst recht wissen, dass so ein Fauxpas schnell mal passieren kann.

  2. Maren Mischke

    Ich mache den Kreativen gar keinen Vorwurf und habe normalerweise sehr viel Verständnis für unglückliche Kommunikation.

    Diese Sternenkinder-Thematik ist aber in der Baby-Welt recht allgegenwärtig. Bei mindestens einer der großen Communities kannst du dein Kind im Profil sogar direkt als solches markieren. Die betroffenen Eltern sind oft traumatisiert und vielen von denen, die nicht betroffen sind, haben verständlicherweise große Angst davor, dass ihr Kind dasselbe Schicksal ereilt. Vor einiger Zeit hatte ich den Begriff mal eher zufällig gegoogelt und die Treffer waren verstörend.

    Ich finde, da sollte man die weichesten Samthandschuhe anziehen, die man finden kann.

    Es gibt auch so genannte „Sternengucker“, das sind Kinder, die eine ungünstige Geburtsposition innerhalb des Becken eingenommen haben, wodurch die Geburt komplizierter wird. Die Assoziation fände ich zum Beispiel nicht schlimm.

  3. Jana

    Ich bin schockiert, die Formulierung schmerzt in der Tat.

  4. Meike

    Jetzt mal ehrlich: Man kann natürlich alles assoziieren, wenn man die nötige Zeit hat …
    Kinder / geliebte Menschen werden nun mal als „Augensterne“ oder „mein Stern“ oder was weiß ich noch bezeichnet. Und Babys haben nun mal als ganz kleine Würmchen die meiste Zeit die Augen geschlossen. Kein Grund zur Aufregung. Kommt mal runter.

  5. Snowmansland

    Da ging es sicher nur um Sterne als Kosename fuer was tolles und nicht darum jemanden zu beleidigen.

  6. Lars K.

    Hey Snowmansland, egal um was es da ging, die Bezeichnung sorgt dennoch für eine sehr unglückliche Assoziation.

    Ich empfand die Medienkommunikation im Anschluss als angemessen. Es ist schön zu sehen, dass es ein direktes und sensibles Feedback gab. Für genau solche Situation ist ein direkter Kontakt zu seinen Kunden gold wert!

  7. Peter

    Hmh, dass sieht wirklich nicht unbedingt vorteilshaft aus, ich frage mich was einige Leute beim Entwurf so denken…. denken die überhaupt ?

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