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Bastian Strick

Heute als IT-Consultant im Bereich Dynamic Publishing und Product Information Management tätig, hab ich auch mal was anständiges gelernt und kann auf einige Jahre Erfahrung in einem großen Akzidenz-Druckhaus und Agentur-Erfahrung zurückblicken.

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Wenn es husch husch gehen muss, es mal wieder nichts kosten darf und die Auflage in den Kofferraum eines Fiat Punto 1992er Baujahres passen muss, dann ist man immer schnell bei der Hand mit den sog. Online-Druckereien. Aber was machen die eigentlich so anders? Und was zur Hölle ist das eigentlich?

Schon der Begriff „Online-Druckerei“ ist eigentlich falsch. Eigentlich. Aber er hat sich halt so eingebürgert. Online-Druckerei würde ja bedeuten, dass die Druckerei Online ist, also an irgendeinem Netz angeschlossen ist. Stromnetz? Check. Telefonnetz? Wahrscheinlich auch. Straßennetz? Hoffentlich usw. usw. Gemeint ist im Kontext von Online ja in der Regel das Internet. Also sind diese Druckereien ans Internet angeschlossen und deswegen Online-Druckereien? Dann dürfte das auf so ziemlich jede Druckerei in der Republik zutreffen. Also kann das das Alleinstellungsmerkmal nicht sein.

Dann sind bei Online-Druckereien die Maschinen direkt ans Internet angebunden und ich als Kunde kann Online darauf zugreifen? Und deswegen sind die so günstig! Würde das wirklich Sinn machen? Stellst du dir das wirklich vor? Was würde denn passieren deiner Meinung nach, wenn mal Papierstau herrscht? Wie würde dein Druck denn abgerechnet werden? Und wo finde ich den Drucker-Treiber und die Dinger in mein System zu integrieren? Klingt unwahrscheinlich? Ist es auch!

Online-Druckereien sind mehr oder minder ganz normale Druckereien. Mit ner großen Halle, einem beachtlichen Maschinenpark, einem Papierlager, ner Versandabteilung etc. Da ist nix virtuell. Die haben einen Mitarbeiter- und Kundenparkplatz und möglicherweise ne dralle Blondine, die letztens auf der Weihnachtsfeier mit dem Chef der Buchhaltung abgestürzt ist. Keine Roboter, keine Cyberbrillen oder sonst irgendwas in die Richtung. Das einzige, was diese Form der Druckereien von anderen unterscheidet ist das Geschäftsmodell. Das lautet nämlich „Standards im Zusammendruck“.

Und genau dieses Geschäftsmodell macht sie bei so vielen Drucksachen so günstig. Statt 50 Papiersorten legen die sich nur 5 ins Lager, statt irgendwelcher Sonderformate werden nur Standard-Formate gedruckt. Da wird auch nicht alle Nase lang ein Farbwerk umgewaschen, damit der Kunde sein Spezial-Magenta fürs Logo bekommt. Das macht nämlich die Kalkulation kaputt und damit den Preisvorteil. Sich auf Standards zu spezialisieren heißt Fehlerquellen zu minimieren durch Routine. Da weiß jeder Drucker, wie lange das Papier an die Luft muss bei welcher Luftfeuchtigkeit um Stopper durch elektrostatische Aufladung zu vermeiden. Und keine Stopper heißt höhere Fortdruckgeschwindigkeiten heißt mehr Output pro Maschine und Schicht. Denn nur wenn eine Maschine läuft, kann ich damit Geld verdienen. Kein Stillstand heißt also ebenfalls Preisvorteil.

Weil nur 5 Papiersorten auf Lager liegen, davon aber gleich mehrere Tonnen, kann man im Großhandel günstiger Einkaufen. Das schafft Preisvorteile. Und wenn ich mich auf bewährte Standards bei den Endformaten spezialisiere, dann kann ich auch gleich mein Rohbogenformat auf minimalen Verschnitt optimieren. Statt 3 cm breite Streifen plötzlich nur noch 1 cm breite absaugen zu müssen, ermöglicht es, weniger Müll zu produzieren, eine schwächere Absauganlage nutzen zu könne etc. Das senkt meine Betriebskosten, was wiederum Preisvorteile schafft. Optimale Bogenausnutzung ist das nächste Zauberwort. Füllt Kunde A nicht den gesamten Bogen aus, dann kommt eben noch was vom Kunden B mit drauf. Daraus resultieren dann zwar mögliche Farbabweichungen, weil ich den Bogen vom Sujet nicht optimal aussteuern kann, aber dafür kriegen beide Kunde ja auch ihren Preisvorteil. Und weil sich der Kunde sein eigenes Angebot auch noch selber auf einer Website zusammenstellen kann und selber den Auftrag schreibt und da am Ende direkt das Job-Ticket für den elektronischen Workflow rauskommt, hab ich weniger Aufwand in der Sachbearbeitung. Weniger Personal- und Verwaltungskosten. Wieder ein Preisvorteil.

Wenn ihr also mal wieder einen Druckjob zu vergeben habt, dann überlegt euch, wie viele Extra-Würste ihr wollt. Alles, was ihr nicht im Online-Kalkulator findet, fehlt, weil es kein Standard ist. Und kein Standard zu sein, kostet extra. Ein Sachbearbeiter muss eure Mail lesen, verstehen und beantworten, ich muss plötzlich doch noch eine neue Papiersorte kaufen, ich kann den Bogen nicht zwingend optimal ausnutzen, ich muss die Maschine auf andere Parameter rüsten und und und. Überlegt euch also, ob es nicht sowieso für den super wichtigen Job für den super wichtigen Kunden nicht von vornherein viel einfacher und sicherer ist, sich den Drucker um die Ecke auszugucken, persönlich bei der Druckabnahme anwesend sein zu können und dem Menschen, den ihr diesen Job anvertraut über die Schulter schauen zu können. Auch wenn das im ersten Moment vielleicht 1,50 € mehr kostet.


Kategorie: Print
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6 Kommentare zu “ Mysterium Online-Druckerei ”

  1. rebellprint

    Hallo Bastian!

    Habe mit Interesse Ihren Beitrag gelesen. Daß hinter einer Online-Druckerei eine „normale“ Druckerei steht, sollte kein Mysterium darstellen.

    Allerdings gibt es schon gewaltige Unterschiede: jene Druckereien, die nur 5 Papiersorten auf Lager haben und nur ein paar Formate anbieten, bedienen auch nur ein sehr schmales Segment: Flyer, Briefpapier, Visitenkarten etc.

    Bei unserem Shop rebellprint.de kann der Kunde aus über 1.400 Artikeln wählen, die sich aus unterschiedlichen Papiersorten und Formaten zusammensetzen – so können auch individuell klebegebundene oder rückendrahtgeheftete Broschüren bestellt werden.

    Natürlich müssen wir uns hier auch dem Konkurrenzdruck des Mitbewerbs stellen: daß der Kunde sein Produkt selbst über das Web bestellt und seine Daten uploaded bringt ihm hier einen Preisvorteil gegenüber einer klassischen Bestellung.

    Durch die Sortiments-Vielfalt hat er jedoch alle Vorteile einer richtigen Druckerei: so gesehen, steht hinter unserer Online-Druckerei auch ein „Drucker um die Ecke“ ;-)

    Mit freundlichen Grüßen
    rebellprint

  2. Harderonline

    Hallo Bastian,

    wir haben als normale Druckerei angefangen und uns natürlich dadurch einen Namen in unserer Region gemacht. Als dann der Onlinehype anfing, sind wir mit unseren Onlineshops eingestiegen. Natürlich sind wir weiterhin eine Druckerei der „alten Schule“ und bedienen unsere Kunden nicht nur online, sondern auch offline mit unseren Produkten.

    Wir sind allerdings keine Onlinedruckerei, wie man sie aus dem Netz kennt. Wir haben uns auf die Kundenfreundlichkeit und den Service spezialisiert, der leider in manchen Massenproduktionen fehlt. Bei uns werden die Kunden noch persönlich betreut und nicht von einem CallCenter abgefertigt.

    Deswegen denke ich, muss man doch zwischen einer richtigen Druckerei und einer Onlinedruckerei unterscheiden, selbst wenn die „Druckerei um die Ecke“ auch online ihre Produkte anbietet.

    Viele Grüße aus dem Schwabenländle,
    harderonline

  3. Druckerei dc-druck

    Hallo Bastian,

    der Beitrag ist wirklich sehr interessant und informativ, großes Lob an dich.
    Für uns als Druckerei ist wirklich manchmal ein Mysterium, wenn wir uns die Preise der sogenannten „Online-Druckereien“ anschauen. Auch wir konnten immer nur spekulieren wie diese Preise zustande kommen können.
    Dein Beitrag hat uns auf jeden Fall Klarheit gegeben!

    Grüße aus Berlin

    Euer dc-druck Team

  4. flyerheaven

    Hallo Bastian,

    vielen Dank für Deine Einblicke. Es ist immer wieder sehr informativ für uns wenn wir Erfahrungen von Nutzern lesen und daraus lernen. Gerade in Punkto Usability sind diese Art der Erfahrungen ganz wichtig … Dankeschön

  5. MeineDruckfabrik

    Hallo,
    sehr informativ und interessant!
    Marie

  6. PRINTELIO

    Hi Bastian,

    gute Einschätzung der Fakten. Für individuale Extrawürste sind Online – Drucker oft nicht geeignet. Für Standard – Erzeugnisse jedoch gut zu gebrauchen.
    Zu jedem Topf sein Deckelchen :-)

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