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Maren Mischke

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Der 2. Januar 2010 wird von vielen mit Spannung erwartet. Denn dann hat nicht nur gerade ein neues Jahr, sondern auch eine neue Ära begonnen. An diesem Tag erscheint Brigitte 2/2010. Auf den ersten Blick scheint es nur eine weitere Ausgabe der bekannten Frauenzeitschrift zu sein, aber auf den zweiten kommt diese einer kleinen Revolution gleich.

Vor inzwischen schon einigen Tagen hat der Chefredakteur Stefan Lebert, verkündet, dass ab Ausgabe 2/2010 keine „normalen“ und damit dünnen Models mehr in der Brigitte zu sehen sein werden, sondern „normale“ Frauen, die „mitten im Leben stehen“:

„Es werden Frauen gezeigt, die eine Identität haben, also die 18-jährige Abiturientin, die Vorstandsvorsitzende, die Musikerin, die Fußballerin“, erklärte Lebert. Bei den Fotostrecken im Blatt soll es einen Wechsel zwischen prominenten und vollkommen unbekannten Personen geben.

Quelle: „Brigitte macht Schluss mit Mager-Models“, www.rp-online.de

Auf der Pressekonferenz soll es zwei Szenen gegeben haben, an dem die Journalisten (oder eher die Journalistinnen?) applaudierten. Das wird zumindest in einigen Quellen erzählt. Insgesamt gab es ein gewaltiges Medienecho.

Lebert hat es buchstäblich satt, von Agenturen völlig abgemagerte Models vorgesetzt zu bekommen. Die folgen dem Druck der großen trendigen Modelabels, die systematisch ein völlig unerreichbares Schönheitsideal durchzusetzen versuchen. Dabei würden von Prada, Gucci & Co. meist so kleine Konfektionsgrößen geliefert, dass der Redaktion gar nichts übrig geblieben sei, als „dürre Mädchen“ zu buchen. Im Nachhinein würden die Bilder dann in Photoshop bearbeitet und die Proportionen künstlich dicker gemacht. Lebert zum „Spiegel“: „Das ist pervers. Was hat das noch mit unserer echten Leserin zu tun.“

Ich stellte mir die Frage, wie die Damen denn dann bloß in die winzigen Klamotten passen sollen, die von den Designern geliefert werden, aber die Frage wurde mir dann direkt beantwortet:

Die Hersteller müssen an „Brigitte“ künftig neue Muster in den Größen 38, 40 oder auch 42 für die Mode-Shootings liefern.

Quelle: „Mutig: Brigitte wird Mager-Model-freie-Zone“, http://meedia.de

„Auch bisher haben wir gezeigt, dass unsere Produzenten, Fotografen und Stylisten tolle Fotos mit Menschen machen können, die keine professionellen Models sind. Wir haben die Erfahrung und die Man-Power. Das einzige, was sich verändert: Die Frau, die zum Shooting kommt, ist eine andere und muss anders gefunden und betreut werden.“

Quelle: „Interview: Brigitte-Chef Lebert über den Model-Rauswurf“, www.dwdl.de

„Dies soll dennoch nicht als eine Kriegserklärung an den Beruf des Models und an die Branche verstanden werden“, sagte Lebert. „Wir werden jetzt kein Heft für Übergrößen machen.“ Für die Fotografen werde es aber eine größere Herausforderung, die Amateure vor der Kamera in Szene zu setzen.

Quelle: „Brigitte zeigt keine magersüchtigen Models mehr“, www.welt.de

Dabei sollen die Frauen sogar angemessen entlohnt werden:

Werden die ausgewählten Frauen für das Fotoshooting entlohnt? Ja, die gecasteten Frauen bekommen vergleichbare Honorare wie professionelle Models.

Quelle: „Ohne Models“ – Fragen und Antworten zur BRIGITTE-Initiative, www.brigitte.de

„Dies soll dennoch nicht als eine Kriegserklärung an den Beruf des Models und an die Branche verstanden werden“, sagte Lebert. „Wir werden jetzt kein Heft für Übergrößen machen.“ Für die Fotografen werde es aber eine größere Herausforderung, die Amateure vor der Kamera in Szene zu setzen.

Stefan Lebert sprach auch von einem Glaubwürdigkeits-Problem: „Wir zeigen Mode an Insekten, und hinten im Heft sagen wir: Steh zu dir selbst, steh zu deinem Körper, die neuen Rezepte und so weiter.“

Quelle: „Brigitte zeigt keine magersüchtigen Models mehr“, www.welt.de

Allerdings sind nicht alle Leute von dieser Revolution begeistert. Es gab viele Unkenrufe, ob die Anzeigenkunden dieses Spielchen mitmachen würden. Die Chefin von Louisa Models gab einer Nachrichtenagentur zu Protokoll, dass sie an dem Erfolg der Aktion große Zweifel hege und wurde in vielen Berichten dazu zitiert:

Skeptisch auf die Neuerung reagiert Louisa von Minckwitz, Inhaberin der Fotomodellagentur Louisa Models in München und Hamburg. Sie sagt der Nachrichtenagentur AP, sie bezweifele, dass die Zeitschrift mit „normalen“ Frauen für Modefotos Erfolg haben werde. „Frauen wollen eine Klamotte an schönen, ästhetischen Menschen sehen“, sagt sie. Von Minckwitz glaubt, dass es eine neue Marketing-Idee der „Brigitte“ ist und dass die Zeitschrift künftig wieder mit professionellen Models arbeiten wird, die nicht zu dünn seien.

Quelle: „Brigitte macht Schluss mit Mager-Models“, www.rp-online.de

Und auch Karl Lagerfeld findet die Idee angeblich albern:

Für ihn sei die Laufsteg-Debatte „absurd“. „Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich“, sagte der exzentrische Modezar gegenüber dem Magazin „Focus“.

Quelle: Karl Lagerfeld zur Laufsteg-Debatte „Runde Frauen will da niemand sehen“, www.bild.de
Quelle: „ Dicke Muttis, schneidet Puderzöpfe ab!“, www.stern.de

1 Kommentar zu “ Brigitte und die Laien-Models ”

  1. Jana

    Eine schöne Idee. Leider hat das Magazin den Anfang einer neuen Ära ein paar mal zu oft verkündet, um das Vorhaben noch glaubhaft zu vertreten. Es ist stets das gleiche Muster, zuerst wird eine Abkehr von den überzogenen Idealen verkündet, nur um kurz darauf wieder in die gleiche Falle zu laufen.

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