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Markus Tacker

ist Mediengestalter (Non-Print Operating) und studiert zur Zeit Medieninformatik. Nebenbei arbeitet er als freier Webentwickler.

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Zu den üblichen Stellenbeschreibungen für Entwickler gehören Schlagwörter wie „selbständiges Arbeiten“ und „Flexibilität“.

Ersteres bedeutet, dass man auch ohne ständige Aufsicht in der Lage ist, die einem gestellten Aufgaben zu erfüllen und anfallende Entscheidungen selbst zu fällen, ohne wegen jedem Kleinkram zum Vorgesetzten zu rennen. Es bedeutet auch Verantwortung für die Software zu übernehmen, die man betreut und für Fehler gerade zu stehen.

„Flexibilität“ bedeutet, die 40-Stunden-Woche nicht ganz so ernst zu nehmen. Als Entwickler sitzen wir am Ende der Kette im Projektplan und müssen Deadlines die zum Teil schon in der Planungsphase festgelegt wurden, einhalten – ungeachtet irgendwelcher Schlampereien oder Verzögerungen in der Kommunikation mit dem Kunden oder in der Projektführung. Das schließt auch Änderungen in letzter Minute ein, so dass Überstunden und Wochenendarbeit vorprogrammiert sind – welch schöne Analogie. Es macht eigentlich keinen Sinn, in der Entwicklung früh (vor 9 Uhr) an zu fangen, erst gegen 16 Uhr haben die meisten Projektleiter ihre tägliche Kommunikation mit dem Kunden abgeschlossen und kommen dann zu den Entwicklern um die berühmten „Kleinigkeiten“ weiter zu geben.

Überstunden sind also ein stillschweigender Bestandteil des Beschäftigungsverhältnisses und seine Arbeit sollte man schnell und ohne großen Aufriss erledigen.

Somit sehe ich kein Problem darin, mal einen Tag von zu Hause zu arbeiten. Ob man in der Firma ist oder am heimischen PC unterscheidet sich eigentlich nur in der Geschwindigkeit des Internetanschlusses und in der Qualität des Kaffees – wobei auch der Internetanschluss zu Hause durchaus schneller sein kann.

Gerade wenn man seine aktuellen Aufgaben und Projekte im Blick hat, kann man leicht selber entscheiden, ob man es sich erlauben kann, mal einen Tag nicht die ganze Zeit persönlich für Projektleiter, Geschäftsführer und Kollegen ansprechbar zu sein. Telefon lassen sich umleiten. Überstunden um den Ausfall aus zu gleichen hat man sowieso genug angehäuft.

Ich war also der Meinung, bei wichtigen Terminen wie Arztbesuchen, Handwerkerterminen oder sonstig notwendigen Erledigungen, die man nicht vor und nach der Arbeit machen kann, auch mal – nach Ankündigung versteht sich – zu Hause zu bleiben. Bei mir sind es immerhin gut 50 Minuten einfache Fahrtzeit zu meinem Arbeitsplatz, so schrumpft die verbleibende Arbeitszeit an dem Tag dann schnell auf wenige Stunden zusammen.

Wie schon gesagt, meine Meinung – leider nicht die meines Chefs. Ich bin also angehalten, in Zukunft meinen Chef um Erlaubnis zu fragen ob ich an irgendeinem Tag ein paar Stunden von meiner Aufgabe fern verbleiben darf, auch wenn ich weiß, dass es kein Problem ist, keine Deadline dagegen spricht, und genug Kollegen da sind, die mich vertreten können. Selbst Arztbesuche, die keiner akuten Erkrankung geschuldet sind, müssen nicht vom Arbeitgeber genehmigt werden. Es ist auch nicht so, dass ich das regelmäßig mache – das kommt bei mir vielleicht zwei, dreimal im Jahr vor – und ich mir aus Jux und Tollerei wilde Anlässe aus den Fingern sauge, um lange zu schlafen, in ICQ online zu gehen und dann so zu tun als würde ich arbeiten. Alle Termine haben einen triftigen Grund.

Andere sind einfach einen Tag krank.

An dieser Stelle interessiere ich mich natürlich für die Gegenargumente, was sagen die Geschäftsführer unter euch? Oder seht ihr es genauso, dass die Zugeständnisse, die wir als Arbeitnehmer machen auch ein gewisses Maß an Gegenleistung erfordern,

Übrigens, diesen Blog-Eintrag schreibe ich, während ich beim Arzt warte. Den Tag habe ich selbst festgelegt. Ein Gespräch gab es deswegen auch schon …

Beitrag entnommen aus meinem privaten Blog: Tag der Arbeit: Über die „Flexibilität“ von Angestellten :: [|] m.tacker.org


Kategorie: Allgemein
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2 Kommentare zu “ Tag der Arbeit: Über die „Flexibilität“ von Angestellten ”

  1. Paul

    Ich bin zwar kein Geschäftsführer, sondern „nur“ als Praktikant im Frontend-Developement beschäftigt, aber ich sag mal trotzdem was mir so durch den Kopf geht:
    Das ist ein zweischneidiges Schwert: Als Angestellter hat man, egal wie wenig zu tun ist, immer den Chef zu fragen ob man mal früher gehen kann oder einen Tag zu Hause arbeiten kann. Wohlgemerkt, zu fragen. Das man sowas eh nur macht wenn es wirklich notwendig ist sollte ja nicht weiter erwähnenswert sein. Das ist zum einen höflicher und zeugt von Respekt und gehört sich als Beschäftigter gegenüber dem Vorgesetzten so.
    Im Gegenzug darf der Chef solchen Anfragen dann aber auch keine Steine in den Weg legen und sollte sie erlauben, so denn wirklich keine handfesten Gründe dagegen sprechen. Schließlich ist es ja wirklich so wie du sagst: Die nötigen Überstunden zum Zeitausgleich hat man ja in der Regel en massé.

    Gerade in unserem Umfeld würde ich allerdings auch vom Chef erwarten, dass er bei absoluter Flaute mal von sich aus einen halben oder sogar einen ganzen Tag frei gibt. Schließlich ist man in Zeiten, wo wirklich was los ist, auch (sehr) viel länger im Büro und arbeitet.

  2. Thomas

    Aus Chef-Sicht spielen da mehrere Faktoren eine Rolle – zum einen sollte so etwas natürlich vorher kundgetan und abgestimmt werden, damit dann auch wirklich nichts schief geht (Vertretung, Deadline usw.). Zum anderen ist die Grundlage dafür das Vertrauen, was man als Projektleiter/Chef in den Angestellten haben muss – wenn ich weiß, dass jemand seine Arbeit zur Deadline hin zuverlässig erledigt, ist es mir eigentlich auch egal wie und wo er das tut, sofern sich nicht äußere Zwänge ergeben (Meetings, Kommunikation im Team allgemein).

    Also: wenn das Vertrauen da ist und der Mitarbeiter zuverlässig, spricht nichts dagegen die Leine zu verlängern.

    Falls du das bei dir so siehst würde ich an deiner Stelle übrigens die Firrma wechseln, ich hätte seinerzeit keine Lust gehabt unter solchen Arbeitsbedingungen zu arbeiten, denn wie du schon richtig schreibst – es ist kein 9-5-Job und somit sollte es von allen Seiten passen und ein Geben und Nehmen sein.

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