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Arne Kocher

Arne Kocher beginnt im Oktober das Studium der Druck- und Medientechnologie an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Zuvor hat er mehrere Jahre in der Druckvorstufe einer mittelständischen Druckerei gearbeitet.

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Pünktlich zur Drupa hat Enfocus eine neue Version von PitStop herausgebracht. Damit liegt das, vor allem in Druckvorstufenbetrieben beliebte, PDF-Werkzeug in Version 8 vor. Rein äußerlich hat sich gegenüber der Vorgängerversion nicht viel getan. Wer PitStop 7 bereits nutzt, wird mit der neuen Version schnell zurechtkommen. Da Adobe in Acrobat Pro immer mehr Funktionen einbaut, die früher nur PitStop vorbehalten waren, fragen sich viele Anwender zu Recht, ob sich die Investition in die neue Version überhaupt lohnt.

Meiner Meinung nach muss das jeder für sich selbst entscheiden. Da es vor allem auf die Qualität der angelieferten PDF bzw. den Qualitätsanspruch bei der Ausgabe ankommt, würde ich die neue Version, die aktuell nur als englische Demo zur Verfügung steht, einfach mal ein wenig an ausgewählten Produktionsdaten testen.

Die neuen Funktionen von PitStop ’08 habe ich jedenfalls zum Anlass genommen, mich etwas ausführlicher damit zu beschäftigen.

Kontextmenü

Kontextmenue_PitStop08

Abhängig vom ausgewählten Objekt habe ich nun Funktionen wie z.B. Überdrucken ein/aus, Objektanordnung, Transformieren (Drehen und Spiegeln), Ausschneiden, Kopieren, Löschen, Auswahl ausblenden bzw. erweitern oder Texte in Pfade umwandeln im direkten Zugriff. Viele dieser Funktionen waren zuvor im Acrobat-Bearbeiten-Menü versteckt und konnten so schnell übersehen werden. Meiner Meinung nach stellt das Kontextmenü eine der großartigsten Neuerungen dar und spart in der Praxis viel Zeit.

Prüfreport

PitStop kann nun, ähnlich wie Acrobat Pro, kommentierte Prüfreporte ausgeben. Man hat die Wahl zwischen einem Duplikat oder einer niedrig aufgelösten (72 ppi) Version des Originals. Alle Hinweise, Fehler und Warnungen werden sortiert in der Lesezeichen-Palette von Acrobat oder dem Adobe Reader aufgelistet.

Pruefreport_PitStop08

Die einzelnen Einträge sind nach den Problemen benannt. Klickt man auf einen der Einträge, wird das betroffene Objekt auf der jeweiligen Seite durch eine farbliche Zurückstufung des restlichen Seiteninhaltes hervorgehoben. Ist der Fehler allerdings auf mehreren Seiten zu finden, muss man den Eintrag aufklappen um auf die jeweiligen Seiten zu gelangen. Wer das nicht weiß, findet so eventuell nicht alle Fehlerinstanzen. Manchmal kann es auch passieren, dass man die fehlerhaften Objekte nicht auf einen Blick sieht. Dann hilft es jedoch, die Ansicht zu vergrößern, um dann erneut auf das Lesezeichen zu klicken. Dabei orientiert sich der Bildschirmausschnitt am darzustellenden Objekt.
Der große Vorteil der neuen Prüfreporte besteht darin, dass der Kunde kein PitStop oder eine andere Enfocus-Software zum Anzeigen dieser Dateien mehr benötigt. Allerdings bin ich der Meinung, dass Acrobat die bessere Übersicht sowie mehr Einstellungsmöglichkeiten bietet.

Inspektor

inspektor_farbe_pitstop08.png

Ebenfalls komplett neu in Version ’08 ist der PitStop Inspektor. Das Inspektor-Fenster wirkt nun deutlich aufgeräumter und kompakter. In der horizontalen Symbolleiste befinden sich weiterhin die Kategorien Farbe, Text, Bild, Druckvorstufe, Position und Statistik. Die bisherigen Unterkategorien wurden nun in einer vertikalen Symbolleiste untergebracht. Durch einen Klick auf das Symbol unterhalb der horizontalen Symbolleiste hat man häufig genutzte Funktionen, ähnlich denen des Kontextmenüs, zur Verfügung. Zur schnellen Erfassung der Objektart (Text, Pfad, Bild usw.) lässt sich der Inspektor bis auf die horizontale Symbolleiste platzsparend zusammenklappen. Durch den kompletten Verzicht auf die Namen der einzelnen Kategorien, benötigt man ein wenig Zeit, um dahinter zu kommen, welche Werkzeuge hinter den Symbolen zu finden sind.

Anschnitt hinzufügen

anschnitt_pitstop08.png

Wer kennt sie nicht; druckfertige Daten ohne Anschnitt. Bisher mussten entweder immer neue PDF mit Anschnitt oder eben die Layoutdaten angefordert werden. Es gab keine Möglichkeit den fehlenden Anschnitt nach der PDF-Erstellung hinzuzufügen. Enfocus hat dieses Problem ebenfalls erkannt und deshalb eine neue Technik eingebaut, die Objektrahmen und Beschneidungspfade erkennen und erweitern kann. Natürlich können auch die PDF-Experten von Enfocus nicht zaubern. Deshalb funktioniert das Erweitern der Objekte in den Anschnittbereich nur unter bestimmten Voraussetzungen. In einem PDF ohne Anschnitt muss neben der Trimbox (Endformat) auch die Bleedbox (Anschnittbereich) definiert sein bzw. werden. Ist das PDF allerdings schon im Endformat worden, muss zuerst die Mediabox (alle Objekte umfassend) vergrößert werden. Diese Vorarbeit kann man entweder mit dem Seitenmaskenwerkzeug oder einer Aktionsliste erledigen.
Danach kann man die neue Funktion der kurzen Bezeichnung »Change objects which are close to the page edge do not bleed enough« (bin mal gespannt wie das übersetzt wird) ausführen.

Nach ein paar Tests mit verschiedenen Dokumenten lässt sich folgendes feststellen: Einfache Vektorobjekte werden problemlos erkannt und erweitert. Pfade, Konturen und andere komplexe Objektformen werden nicht erweitert. Dies führt zu Situationen, in den die Rahmenfläche, jedoch nicht die Rahmenkontur, erweitert wird. Bei Bildern ist es eindeutig. Erweitert werden kann nur etwas, von dem auch zusätzliche Bildinformation vorhanden ist. Das ist z.B. der Fall, wenn ich in einem Layoutprogramm ein(e) Bild/Grafik platziere und nachträglich noch den Bildausschnitt bestimme. Erstelle ich davon nun ein PDF, wird das Bild mit einem Beschneidungspfad versehen, der die restlichen überstehenden Bildinformation maskiert. Diesen Bereich verwendet die neue Anschnittfunktion und macht ihn sichtbar. Der Vorgang ist quasi mit dem Erweitern eines Bildrahmens in Quark oder InDesign vergleichbar. Wie auch sonst bei der PDF-Bearbeitung gilt hier der Grundsatz, dass transparenzreduzierte PDF aufgrund ihrer teils komplexen Objektkonstellationen (Stichwort Kachelung, Pixel-/Vektorkombinationen) schwieriger zu bearbeiten sind, als Dokumente mit noch enthaltener Transparenz.

Bei manchen PDF spart man sich mit der neuen Anschnittfunktion viel Handarbeit und Zeit. In den meisten Fällen wird man jedoch weiterhin nicht darumkommen, neue Daten oder offene Daten anzufordern.

Automatisches Setzen von Endformat- und Anschnittrahmen

PDF, die z.B. aus QuarkXPress ab Version 6 über den Distiller erstellt werden, enthalten standardmäßig keine Trimbox. Da jedoch diese PDF fast immer mit Schnittmarken erzeugt werden, werden diese nun von PitStop erkannt und zur genauen und automatischen Definition der Trimbox verwendet. Bei vorhandenen Anschnittmarken funktioniert dies auch, um damit die Bleedbox zu definieren. Anschnittmarken können nicht mit Quark erzeugt werden, dafür aber in InDesign, das allerdings alle Boxen schon bei der PDF-Erstellung richtig setzt. Wie auch immer, es funktioniert jedenfalls.

Impressed, deutscher Distributor von PitStop, stellt für registrierte Kunden zwei Aktionslistenpakete zum kostenlosen Herunterladen zur Verfügung. Darin sind mehrere Aktionslisten z.B. zum Erweitern der Objekte in den Anschnittbereich oder das Setzen von Trim- und Bleedbox anhand der Marken enthalten.

Verbesserte Farbkonvertierungsoptionen und Device-Link-Unterstützung

Wurden in PitStop bisher Farbkonvertierungen durchgeführt, geschah dies immer auf Basis der Farbmanagement-Grundeinstellungen. Für die Datenaufbereitung für ein einzelnes Druckverfahren ist dies auch absolut ausreichend. Mehr Flexibilität erreicht man jedoch mit dem neuen Farben-Konvertieren-Werkzeug das dem Anwender die freie Wahl von Quell- und Zielfarbraum sowie dem Rendering Intent lässt. Dieses Werkzeug, welches entweder separat oder über den Bereich Farbe im Inspektor aufgerufen werden kann, konvertiert auf Wunsch auch den Inhalt und die Kontur von einzelnen oder mehreren ausgewählten Objekten. Richtig mächtig wir die neue Funktion wenn man sie mit der ebenfalls neuen Device-Link-Unterstützung verbindet. So lässt sich z.B. auf PDF-Basis ein Bild schnell von einem Farbraum in einen anderen separationserhaltend konvertieren.

Weitere Neuerungen

Bisher konnten Beanstandungen bei der PDF-Prüfung mittels PDF-Profil in die Kategorien »Fehler« oder »Warnung« unterteilt werden. Neu dazugekommen ist nun die Möglichkeit den Hinweis auf ein Problem zur Kenntnis zu nehmen, das PDF aber trotzdem für die Produktion freizugeben. Leider ist es mir während meiner Tests nicht gelungen diese neue Funktion zu testen.

Da sich die PDF-Technologie ständig weiterentwickelt und dies auch von den Normierungsgremien honoriert wird, muss natürlich auch Enfocus mit der Unterstützung der neuen Entwicklungen nachziehen. So lassen sich nun Objekte auf, entweder schon vorhandene oder neu erstellte Ebenen legen. Zudem lässt sich über den Inspektor die Ebenensichtbarkeit regeln.
Da Ebenen ein Teil der PDF/X-4-Norm sind, welche PitStop nun unterstützt, war die Integration dieser Funktion letztendlich logische Konsequenz.

Neben der neuen ISO-Norm werden auch die neuen Spezifikationen der Branchenvereinigung Ghent PDF Workgroup unterstützt.

Ansonsten wurde nicht viel verändert. Man kann nun bei der Auflösungsprüfung von Bilddaten zusätzlich noch einen Warnhinweis ausgeben lassen, wenn die Auflösung im Bereich (frei wählbar) der Mindestauflösung liegt. In Verbindung mit der neuen Sign-Off-Funktion sicherlich eine sehr interessante Möglichkeit, den Datenersteller selbst entscheiden zu lassen, ob die angelieferte Qualität ausreichend ist.

Für standardkonformes Arbeiten wurde die Verwaltung, Bearbeitung und Erstellung von Ausgabebedingungen (Output Intents) stark verbessert.

Systemanforderungen

PitStop ’08 setzt mindestens Adobe Acrobat 7 (Standard oder Pro) voraus. Acrobat 9 wird momentan noch nicht unterstützt. Neben Windows XP Home oder Professional sowie Mac OS 10.4 (ab 10.4.11) wird auch Windows Vista Home, Premium, Business oder Ultimate (alle 32 Bit) und Mac OS 10.5 (Leopard) unterstützt.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreibt die Hamburger Firma Impressed PitStop. Es werden auch Schulungen und Support von Impressed angeboten.

Fazit

Ein schon sehr gutes Werkzeug wurde an wichtigen Stellen verbessert. PitStop ist in Druckvorstufenbetriebe weiterhin ein Muss, wenn es um die schnelle und exakte Bearbeitung von PDF geht. Ob nun das Update unbedingt gemacht werden muss, hängt auch davon ab, welche Funktionen man letztendlich nutzt und ob diese im Vergleich zur bereits vorhandenen Version verbessert worden sind. Gute Argumente für den Kauf sind sicherlich die Unterstützung von Device-Link-Profilen und die Seitenrahmen bzw. Anschnittautomatik.


Kategorie: Print, Software
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