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Arne Kocher

Arne Kocher beginnt im Oktober das Studium der Druck- und Medientechnologie an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Zuvor hat er mehrere Jahre in der Druckvorstufe einer mittelständischen Druckerei gearbeitet.

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Immer wieder kann man in den Foren Berichte über die Probleme von Anwendern mit Adobes PDF-Drucker nachlesen.
Meistens wird davon berichtet, dass die PDF-Erstellung überhaupt nicht oder auf Rechnern mit bestimmten Programm/System-Konfigurationen nicht funktioniert.
Wer nach Erklärungen und Lösungen seitens den betroffenen Herstellern Adobe, Apple und Quark sucht, wird selten fündig. Anders in den Foren, in denen sich technisch versierte Anwender teils um eigene Lösungen bemüht haben und diese kostenlos zur Verfügung stellen.
Die Kombinationen, die sich aus den verschiedenen Versionen von Hardware (PowerPC oder Intel-Mac) und Software (PowerPC-Code oder Universal Binary) ergeben, machen es nicht leichter, den Überblick darüber zu behalten, was jeweils in meiner Systemumgebung funktioniert und was nicht.

In der nachfolgenden Übersicht sind die, meiner Meinung nach, acht häufigsten Systemkonfigurationen in der Publishingbranche aufgelistet. Zu jeder Konfiguration gibt es eine kurze Beschreibung der eingesetzten Hard- und Software (samt Versionsangabe) sowie die verfügbaren Lösungen.

System 1: Quark 7 und Adobe CS 3 unter Mac OS 10.4, PowerPC-Mac
System 2: Quark 7 und Adobe CS 2 unter Mac OS 10.5, PowerPC-Mac
System 3: Quark 7 und Adobe CS 2 unter Mac OS 10.4, PowerPC-Mac
System 4: Quark 7 und Adobe CS 3 unter Mac OS 10.5, PowerPC-Mac
System 5: Quark 7 und Adobe CS 3 unter Mac OS 10.4, Intel-Mac
System 6: Quark 7 und Adobe CS 2 unter Mac OS 10.5, Intel-Mac
System 7: Quark 7 und Adobe CS 2 unter Mac OS 10.4, Intel-Mac
System 8: Quark 7 und Adobe CS 3 unter Mac OS 10.5, Intel-Mac


Zunächst aber eine kurze Einführung in die Funktionsweise des Adobe PDF-Druckers. Den meisten Anwendern dürfte dies zwar schon bekannt sein (dann einfach den nachfolgenden Abschnitt überspringen); für den ein oder anderen, ist es aber gerade im Zusammenhang mit den vielen Problemen, ganz interessant zu erfahren, was da im Hintergrund eigentlich genau abläuft.

Was macht der Adobe PDF-Drucker eigentlich?

Vereinfacht gesagt, macht er nichts anderes, als automatisiert eine PostScript-Datei zu erstellen und diese im Distiller mit zuvor definierten Joboptions zu PDF zu verarbeiten.
Leider gibt es immer wieder Verwechslungen mit dem Adobe PDF Writer (ein Relikt aus früheren Acrobat-Versionen) oder es wird gar vermutet, der Adobe PDF-Drucker erzeuge qualitativ schlechtere PDF als der Distiller. Der Adobe PDF-Drucker wird seit Version 6 bei jeder Installation eines Acrobat-Paketes automatisch mitinstalliert.
Möchte ich beispielsweise aus QuarkXPress ein PDF über den Adobe PDF-Drucker erstellen, erstellt dieser zuerst eine PostScript-Datei, die in einem Verzeichnis des systemeigenen Drucksystem CUPS abgelegt wird. Durch das Ablegen einer Datei wird eine bestimmte Verarbeitungskette angestoßen. Diese besteht aus der Eingangsdatei, sogenannten CUPS-Filtern und dem Backend, (z.B. der Distiller) der das gewünschte Ergebnis liefern soll. Es sind also sowohl die Ausgabeanwendung, als auch Adobe sowie Apple als Betriebssystemhersteller an diesem Herstellungsprozess beteiligt. Genau darin liegt auch die Ursache des eigentlichen Problems. Alle Vorgänge müssen nahtlos ineinanderlaufen und zum Schluss ein Ergebnis liefern zu können.


System 1: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 3 unter Mac OS 10.4 auf einem PowerPC-Mac

Die PDF-Erstellung mittels Adobe PDF-Drucker funktioniert aus den Programmen der CS3 ohne Probleme. Zwar kann die CS3 auf PowerPC-Macs nicht ihre volle Leistungsfähigkeit zeigen, dafür läuft aber alles stabil und wie erwartet.
Aus QuarkXPress 7 (ab Version 7.0.1) kann nicht ohne Weiteres ein PDF auf diese Weise erstellt werden. Warum schafft das Adobe, Quark aber nicht?
Nun ist es so, dass Apple für UB-(Universal Binary)Programme einige Änderungen im Drucksystem CUPS vorgenommen hat. Quark hat diese Änderungen natürlich für XPress berücksichtigt. Soweit so gut. Leider läuft es jetzt so, dass die PostScript-Datei in einem CUPS-Verzeichnis mit relativ strikten Zugriffsrechten landet und von dort zwar vom Adobe PDF-Backend aufgenommen wird, die Distiller-Library sie aber aufgrund der Rechte nicht verarbeiten kann. Wer sich für den genauen technischen Hintergrund interessiert und wissen möchte, was da genau passiert, kann sich auf HilfDirSelbst in die sehr komplexe Thematik (bzw. hier) einlesen.
Während sich die Hersteller gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben und ihre Anwender im Regen stehen lassen, hat sich Thomas Kaiser die Lösung des Problems zur Aufgabe gemacht. Er hat einen Installer mit drei modifizierten Backends für die Adobe PDF-Drucker Version 6 bis 8 entwickelt. Diese Backends sorgen dafür, dass Quarks PostScript-Datei gar nicht erst mit zu strikten Zugriffsrechten versehen wird und stattdessen auf sicherem Wege die Verarbeitung durch den Distiller erreicht. Damit kann man auch mit dieser Systemkonfiguration PDF über den Adobe PDF-Drucker erzeugen.
Im Gegensatz zu dieser Lösung, die unabhängig von der XPress-Version (7.x.x) läuft, gibt es von Quark mittlerweile auch eine Lösung. Der modifizierte QuarkXPress CUPS-Filter funktioniert aber nur, laut Quark, ab Version 7.3. Im Quark-Forum gibt es eine interessante Diskussion über die Vor- und Nachteile dieser Lösung.


System 2: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 2 unter Mac OS 10.5 auf einem PowerPC-Mac

Adobe fördert die Anpassung der Creative Suite 2 an Apples neuestes Betriebssystem Leopard nicht (hier nachzulesen). Mit der Creative Suite 3 gibt es eine neue Version, die unter Leopard anständig funktioniert (siehe auch Systeme 4 und 8). Somit funktioniert auch der Adobe PDF-Drucker unter diesem System nicht. Leider funktionieren die Lösungen von Thomas Kaiser und Quark (siehe System 1) für XPress und Acrobat 7 nicht unter Leopard.
Dennoch gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten, auch mit diesem System, qualitativ hochwertige PDF zu erzeugen. Sowohl die Programme der Creative Suite 2, als auch QuarkXPress 7, verfügen über einen eigenen PDF-Export. In beiden Fällen hat dieser Weg nicht mit den angesprochenen Nachteilen der PDF-Erstellung über den Adobe PDF-Drucker zu kämpfen. Trotzdem sollte man natürlich im Einzelnen für sich prüfen, ob ein PDF-Export in Frage kommt. Grundsätzlich ist dieser allerdings verwendbar und immer einen Versuch wert.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, weiterhin den Weg über »Drucken« zu gehen. Er unterscheidet sich nur in einem einzigen Punkt. Sämtliche Einstellungen im Anwendungsdruck- und Systemdruckmenü sind identisch zur gewohnten Arbeitsweise mit dem Adobe PDF-Drucker.

AdobePDF_Leopard_PSsichern

Anstatt nun abschließend im Systemdruckmenü auf »Drucken« zu klicken, wählt man den Button »PDF« der sich in der linken unteren Ecke befindet. Unter dem unscheinbaren Begriff »PDF« verbergen sich viele Systemfunktionen, die im normalen Arbeitsalltag eines DTPlers nicht (unbedingt) interessant sind. Die Funktion »Als PostScript sichern« bietet allerdings eine sehr bequeme Möglichkeit, die PostScript-Datei, die ja normalerweise an das Drucksystem CUPS übergeben wird, an einen beliebigen Ort zu speichern. Nutzt man die Distiller-Funktion »Überwachte Ordner«, so kann man sie direkt in eines dieser Verzeichnisse sichern. Sind genau die gleichen Einstellungen wie bei der gewohnten Arbeitsweise gewählt, hat man ein qualitativ gleichwertiges Ergebnis.
Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten (z.B. ein virtueller PostScript-Datei-Drucker). Das Ergebnis ist allerdings immer dasselbe; eine PostScript-Datei.

System 3: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 2 unter Mac OS 10.4 auf einem PowerPC-Mac

Was für die Programme der Creative Suite 3 unter Mac OS 10.5 gilt, ist natürlich auch für die CS2 unter Mac OS 10.4 richtig. Hier gibt es keine Probleme, was auch fatal wäre, da dieses System wohl mitunter am Häufigsten an DTP-Arbeitsplätzen anzutreffen ist. QuarkXPress 7 kann standardmäßig keine PDF über den Adobe PDF-Drucker auf diesem System erstellen. Es helfen allerdings die gleichen Lösungsvorschläge, die unter System 1 beschrieben sind.


System 4: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 3 unter Mac OS 10.5 auf einem PowerPC-Mac

Mit dem System 4 dürfte man das Aktuellste (die Hardware mal ausgenommen), was es auf dem Markt gibt, im Einsatz haben. Leider bedeutet das nicht automatisch, dass auch alles reibungslos miteinander arbeitet. Unter Mac OS 10.5 gibt es derzeit (hoffen wir auf Thomas Kaiser oder Quark ;-) ) keine andere Lösung, als das PDF entweder über den Quark-eigenen PDF-Export oder eben manuell, wie für System 2 beschrieben, zu erstellen.
Für die Creative Suite 3 galt bis zum 6. Februar diesen Jahres das Gleiche. Erst mit der Veröffentlichung des Acrobat-Updates auf Version 8.1.2 kann man PDF wieder über den Adobe PDF-Drucker erstellen. Den Quark-Anwendern bringt dieses Update allerdings nichts.

Update:

Quark hat mittlerweile eine neue Version des CUPS-Filters zum kostenlosen Download bereitgestellt. Dieser sorgt nun auch unter Mac OS 10.5 dafür, dass Quark 7 PDF über den Adobe PDF-Drucker erstellen kann. Auch hier ist die Voraussetzung, dass die neueste Acrobat-Version (8.1.2) installiert ist.


System 5: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 3 unter Mac OS 10.4 auf einem Intel-Mac

Anwender dieser Systemkonfiguration dürfen sich glücklich schätzen. Sämtliche Programme können den Adobe PDF-Drucker für die PDF-Erstellung nutzen. Man sollte nur darauf achten die aktuellste Acrobat-Version (8.1.2) einzusetzen. QuarkXPress-Anwender können ihn ebenfalls nutzen, müssen aber entweder einen modifizierten Adobe PDF-Drucker (siehe System 1) oder den QuarkXPress CUPS-Filter für Versionen ab 7.3 installieren (siehe System 1).


System 6: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 2 unter Mac OS 10.5 auf einem Intel-Mac

Anwender, die dieses System einsetzen, muss ich leider enttäuschen. Dadurch, dass diese Konfiguration eine so unglückliche Kombination aus Hard- und Software darstellt, muss man sowohl aus QuarkXPress 7, als auch aus der Adobe Creative Suite 2 andere Wege (siehe System 2) gehen, um PDF erstellen zu können.


System 7: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 2 unter Mac OS 10.4 auf einem Intel-Mac

Obwohl die Creative Suite 2 nicht für die Intel-Prozessen programmiert worden ist, funktioniert der Adobe PDF-Drucker aus den Adobe-Anwendungen heraus ohne Einschränkungen.

AdobePDF_Tiger_durchgestrichen

Nicht so jedoch wenn QuarkXPress 7 eingesetzt wird. Versucht man aus XPress heraus, ein PDF über den Adobe PDF-Drucker zu erstellen, so sind dessen »PDF-Optionen« im Systemdruckmenü durchgestrichen!
Die angeforderte Option ist zum Rechner nicht kompatibel und kann nicht verwendet werden. So ganz stimmt das ja nicht. Installiert man eine der beiden Adobe PDF-Drucker-Lösungen (siehe System 1), bleiben die PDF-Optionen zwar weiterhin durchgestrichen, der Vorgang wird aber trotzdem mit der erfolgreichen Erstellung eines PDF abgeschlossen.
Allerdings sollte man, wenn dieser Weg gewählt wird, absolut sicher gehen, dass auch die richtigen Distiller-Joboptions verwendet wurden.
Dazu gibt es zwei Kontrollfunktionen: Registrierte Impressed-Kunden können kostenlos auf die Distiller-Erweiterung Distiller-Secrets zurückgreifen. Diese Erweiterung listet alle Einstellungen auf, die in der Joboption zum Zeitpunkt der PDF-Erstellung eingestellt waren. Acrobat selbst verfügt auch über eine ähnliche Funktion. Diese nennt sich »Adobe PDF-Einstellungen in PDF-Datei speichern« und ist in jeder Distiller-Joboption unter »Erweitert« zu finden. Einmal aktiviert, enthält jedes so erstellte PDF, die verwendete Joboption als Anlage.


System 8: QuarkXPress 7 und Adobe Creative Suite 3 unter Mac OS 10.5 auf einem Intel-Mac

Creative Suite 3-Anwender müssen das Update auf Version 8.1.2 installieren, um den Adobe PDF-Drucker verwenden zu können.
Wer mit QuarkXPress 7 arbeitet, muss auf eine der Lösungen, die unter System 2 beschrieben sind, ausweichen.

Update:

Quark hat mittlerweile eine neue Version des CUPS-Filters zum kostenlosen Download bereitgestellt. Dieser sorgt nun auch unter Mac OS 10.5 dafür, dass Quark 7 PDF über den Adobe PDF-Drucker erstellen kann. Auch hier ist die Voraussetzung, dass die neueste Acrobat-Version (8.1.2) installiert ist.

Fazit

Es ist schon sehr ärgerlich, wenn man sich als Anwender mit Inkompatibilitäten, die es zwischen einzelnen Herstellern gibt, herumärgern muss. Mal funktioniert das eine, dafür etwas anderes nicht und manchmal muss man den gewohnten Arbeitsablauf komplett umkrempeln um Ergebnisse in gewohnter Qualität zu erhalten.
Auf der anderen Seite profitieren wir ja auch von den Neuentwicklungen im Hard- und Softwarebereich. Und mal ehrlich, wer möchte nicht den neuesten Mac oder die neue Creative Suite sein Eigen nennen dürfen? Deshalb ist es um so wichtiger, dass man sich _vor_ dem Kauf von Hard- und Software genau informiert, was miteinander ohne Probleme funktioniert und was nicht.

1 Kommentar zu “ Der Adobe PDF-Drucker in Publishingumgebungen ”

  1. absatzsetzer.de » Blog Archiv » Der Adobe PDF-Drucker in Publishingumgebungen

    […] seinem Mediengestalter-Blog setzt sich Arne Kocher mit dem Adobe PDF-Drucker zum Erstellen von PDFs auseinander. Er beschreibt […]

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