Redakteur

Maren Mischke

…lebt und arbeitet im schönen Düsseldorf am Rhein.

Infos & Kontakt

Alle Beiträge

E-Mail senden

Website besuchen

ICQ

Mein letztes Bewerbungsgespräch ist bald zwei Jahre her. Damals habe ich mich auf die Stelle beworben, die ich nun besetze und wie ihr euch bei diesen Worten denken könnt, bin ich genommen worden. Entsprechend eingerostet sind meine Kenntnisse, worüber man im Bewerbungsgespräch eigentlich so spricht.

In letzter Zeit habe ich jedoch wieder an Bewerbungsgesprächen teilgenommen. Das wäre an sich schon ein merkwürdiges Gefühl gewesen. Doch dieses Mal spielte ein zusätzlicher Faktor eine besonders große Rolle, denn: zur Abwechselung saß ich mit auf der anderen Seite.

Doch was fragt man einen Bewerber, um sich nicht nur pro forma mit ihm zu unterhalten, sondern ihm gründlich auf den Zahn zu fühlen?

  • „Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?“
  • „Was sind Ihre Stärken und Ihre Schwächen?“
  • „Wo sehen Sie sich selbst in 5/10/15 Jahren?“
  • „Wie schätzen Sie sich bei dies oder jenem auf einer Skala von 1 bis 10 ein?“
  • Oder ähnliche Klassiker?
  • Da meine letzte Bewerbung eben schon etwas her ist und ich bisher nur wenige Vorstellungsgespräche hinter mir habe, wollte ich mich dahingehend ein wenig schlau machen und habe Google mit Stichworten gefüttert. Dabei bin ich auf diverse interessante Bewerbungs-Webseiten gestoßen. Einige davon waren merkwürdig, einige zu platt und erstaunlich viele Webseiten beschäftigen sich damit, was man im Vorstellungsgespräch nicht gefragt werden darf beziehungsweise auf keine Fall ansprechen sollte.

    Unter http://www.bewerben.de/informationen/vorstellungsgespraech.htm habe ich etwas gefunden, das ich zuerst ganz lustig fand:

    Provozierende Fragen, die Sie bei dem Vorstellungsgespräch beantworten sollten:

  • „Wer hat dieses Kostüm oder diesen Anzug für Sie ausgesucht?“
  • „Glauben Sie, dass Sie mit diesem Schmuck/dieser Krawatte Eindruck schinden können?“
  • Naja. Ich finde es gut, wenn man im Gespräch etwas aus der Reserve gelockt wird und gerade in Bereichen mit viel Kundenkontakt kann man mit einer überraschenden Zwischenfrage in diese Richtung den Bewerber auf seine Schlagfertigkeit und sein Temperament testen – aber mal ehrlich, wer möchte ich in einer Firma arbeiten, in der man beim Vorstellungsgespräch mit derartigen Fragen konfrontiert wird?

    Das erinnerte mich an eine Situation, als ich noch studierte, nebenbei Aufträge annahm und in meinem Portfolio ein Portrait von mir zu sehen war. Ich besuchte den potentiellen Kunden damals zu einem Erstgespräch, betrat den Raum und im Gesicht meines Ansprechpartners machte sich Enttäuschung breit, während er – und das ist leider nicht übertrieben! – mich von oben bis unten musterte und in bedauerndem Tonfall sagte: „Auf dem Foto sehen Sie aber ganz anders aus….“.

    Vielen Dank? Und äh, ich weiß ja nicht, wen Sie im Hinterkopf hatten, aber ICH sehe meinem Bewerbungsfoto sehr ähnlich. So sollte eine erfolgreiche gemeinsame Zusammenarbeit sicherlich nicht beginnen.

    Aber um auf Bewerbungsgespräche zurückzukommen: Ich persönlich habe für mich dieselben Quintessenzen gezogen, die ich schon als Bewerber gefolgert hatte. Und ein Vorstellungsgespräch ist auf der anderen Seite – wie vermutet – nicht unbedingt leichter. Auch der Fragesteller steht unter einem nicht zu unterschätzendem Druck. Schließlich soll man in einem Gespräch (und danach optional noch anhand einer Probearbeit) beurteilen, ob sich der Bewerber auf eine Stelle eignet. Einfach ist das nicht.

    Nachfolgend ein paar „Weisheiten“ für beide Seiten:

  • Vieles ergibt sich im Laufe des Gesprächs.
  • Lebenlauf und Arbeitsproben bieten Gesprächsstoff. (Andernfalls ist man vermutlich auch gar nicht erst eingeladen, sondern aussortiert worden….)
  • Einstudierte Antworten auf Standardfragen will keiner hören.
  • Dennoch sollte man sich auf typische Fragen vorbereiten. Die Kunst dabei ist, dem Gegenüber nicht zu zeigen, dass man die Antwort eventuell schon gefühlte tausend Mal beantwortet hat.
  • Dass die klassischen Fragen manchmal aber gar nicht ohne sind, ist mir beim Lesen unter nachfolgendem Link über psychologische Stolpersteine, die ein Bewerbungsgespräch so mit sich bringen kann, bewusst geworden: http://www.bewerbung.tv/fragen.html

    Zum Abschluss möchte ich euch noch eine kleine Zusammenfassung der Fragen und Aufforderungen, die ich persönlich als interessant und geeignet empfinde, ans Herz legen:

  • „Erzählen Sie etwas über sich.“
  • „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“
  • „Warum wollen Sie Ihre derzeitige Firma verlassen? (optional)“
  • „Welche waren die besonderen Eigenschaften Ihres besten oder schlechtesten Vorgesetzen?“
  • „Arbeiten Sie lieber zusammen mit anderen oder allein? Warum?“
  • „Schildern Sie uns den Ablauf eines Arbeitstages in Ihrer jetzigen Position.“
  • „Nennen Sie Ihre bedeutsamsten beruflichen Fehler.“
  • „Welche Tätigkeiten mögen Sie nicht?“ (Die Frage habe ich allerdings noch nie „live“ erlebt, passt aber inhaltlich gut zur nachfolgenden Frage).
  • „Können Sie unter Termindruck arbeiten und wie gehen Sie mit Stress um?“
  • „Wie stehen Sie zu Routinetätigkeiten?
  • „Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?“
  • „Wie sehen Ihre beruflichen Zukunftspläne aus?“
  • …und vieles mehr.

  • Kategorie: Bewerbungen, Persönliches
    Interaktiv: Post drucken Post drucken | Post versenden Post versenden
    Metadaten: RSS Feed | Trackback-URI

    13 Kommentare zu “ Was frage ich im Bewerbungsgespräch? ”

    1. ConnyLo

      Fragen, die wirkliches Interesse zeigen und aufdecken können, ergeben sich doch nur bei souveränen Befragern, die erfahren sind. Fragen zurechtlegen ist in Ordnung. Allerdings muss man sich vorstellen, was für Antworten kommen könnnen. Eine Frage oben finde ich ziemlich unsinnig:
      - Können Sie unter Termindruck arbeiten und wie gehen Sie mit Stress um?

      Was soll der Bewerber dazu sagen ausser unehrliche Antworten zu geben? Jeder weiss, dass es im Medienbereich stressig vorgeht. Sagt der Bewerber, er findet Stress toll und arbeitet dann besonders gut, ist es eine Lüge. Sagt er, Termindruck ist nicht sein Ding, hat er verloren, denn „auf solche Mitarbeiter kann man verzichten“.
      Deswegen ist diese Frage nicht gerade hilfreich.

    2. ragin

      Warum sollte es eine Lüge sein, wenn man sagt man arbeitet gerne unter bestimmten Stresssituationen? Ich hab in auch mal gesagt: Bloß kein Stress beim Arbeiten!“ aber irgendwann hatte ich Stresssituationen in denen ich in meiner Arbeit aufgegangen bin. Es kommt natürlich auch auf die Arbeit und die Stresssituation an. Nicht jede Situation lässt einen immernoch konzentriert arbeiten.
      Ich finde das eine eine sinnvolle Frage bei einem Vorstellungsgespräch.

    3. creezy

      Also, wenn ich schon Fragen lesen: „Nennen Sie Ihren bedeutsamsten beruflichen Fehler“ … was ist das denn für ein Schwachsinn (super Frage vor allem, wenn man Berufsanfänger oder Praktikanten einstellen soll).

      Auf so eine Frage würde jeder mit 2 Monaten Arbeits- und Lebenserfahrung antworten „Ich habe mal das 2-lagige Toilettenpapier für die Firma geordert, anstelle des üblichen 3-lagigen und damit das Budget gerettet“ Schwachsinnige Fragen, die so dämlich sind, das sie getrost gelogen beantwortet werden dürfen.

      Ansonsten sind das alles keine kreativen Fragen und wer sich als Bewerber im Vorfeld mit dem Thema Bewerbung beschäftigt, findet auf alle Fragen im Web bereits die richtigen Antworten. Jeder Bewerber mit 2 % Gehirnanteil wird eine Frage wie „Welche waren die besonderen Eigenschaften Ihres besten oder schlechtesten Vorgesetzen?“ direkt mit „Sie werden verstehen, dass ich nicht schlecht über meine Vorgesetzten rede. Auch nicht über die aus der Vergangenheit!“ retournieren.

    4. katha

      Ich hatte neulich ein scheinbar ziemlich durchgeplantes Gespraech. Da ich schon in der Firma in der ich mich beworben habe, arbeite, kannte ich den „Interviewer“ schon von meinem Einstiegsgespraech her. Netterweise hat er dann das Gespraech damit eroeffnet, dass er wohl offensichtlich recht hatte, als er damals sagte dass mein Englisch besser werden wuerde. Netter Einstieg, wie ich finde, und man ist gleich nicht mehr ganz so nervoes.
      Ansonsten gings ziemlich vom Zettel. Standardfragen: „Wo siehst du dich in 5 Jahren“, „Wie stellst du dir den Posten vor“, „Was glaubst du, welche Eigenschaften hilfreich sind in dem Beruf“, „Wie gehst du mit Leuten um die deine Erwartungen nicht erfuellen“, „Gab es in letzter Zeit – beruflich- eine Erfolgssituation fuer dich“ und „Wurde eine Anregung von dir umgesetzt“
      Ich denke das muessten die Wichtigsten gewesen sein, aber ich habe mich nicht im Medienbereich beworben, das sollte man vielleicht dazu sagen. Vielleicht hilft es trotzdem jemandem.

    5. Maren Woker

      @ creezy: Das ist für DICH vielleicht selbstverständlich, aber für mich wäre es zum Beispiel auch selbstverständlich, dass ich meine Bewerbung zum Beispiel Korrektur lesen lassen würde. Oder dass ich die Adresse, falls ich sie per Post verschicke, irgendwo auf den Briefumschlag hinschmiere. Oder dass ich sie erst gar nicht per Post verschicke, wenn ausdrücklich in der Ausschreibung steht, dass man sich ausschließlich per Mail bewerben soll.

      Irgendwas muss man ja fragen. ;o) Und wie ich schon sagte, das meiste ergibt sich im Gespräch.

    6. Rolf

      Als Ruheständler meine Erfahrung aus vielen Bewerbungsgesprächen, zuletzt auf der Arbeitgeberseite:
      Bitte nur ehrliche und ernst gemeinte Fragen stellen!
      Welche Tätigkeiten hat der Bewerber in seinem Beruf gerne gemacht, aber auch welche er nicht so gerne ausübt.
      Welche Fähigkeiten er/sie im neuen Job gerne weiter ausbauen würde.
      Welche Weiterbildungsmaßnahmen hat er/sie in den letzten Jahren aktiv betrieben?
      Welche davon auf eigene Initiative?
      Hat der Arbeitgeber, im nachhinein, diese finanziell unterstützt, wenn diese für die Arbeit nützlich waren.
      Die Frage nach den beruflichen Vorstellungen in 3-5 Jahren erachte ich als durchaus sinnvoll.
      Am Ende des Gespräches sollte auf jeden Fall gefragt werden, wie der Bewerber sich bezüglich des Gespräches fühlt. Allerdings muß man auch seine eigene Meinung kundtun!

    7. medienvirus

      Finde diese Standardfragerei immer recht langweilig, nichtssagend und ineffizient. Sicher: Man kann dadurch einiges über sein potentiell zukünftigen Kollegen anhand von Körpersprache erahnen. Aber das ist es dann auch schon. Besser ist es doch gezielter auf zwischenmenschliche Kompetenzen zu prüfen. Dann kann man auch wesentlich zutreffendere Aussagen über die Körpersprache des Gegenübers machen.
      Bewerbungsgespräche sollten doch mehr dazu da sein abzuchecken ob ich mit dem Menschen hinter dem Portfolio, oder der Bewerbungsmappe auch im Alltag klarkomme. Den theoretischen Kram und Softskills wie Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Überstundenbereitschaft und sogar Hygiene kann man auch feststellen wenn man sich die Unterlagen angesehen hat, bzw. wenn man denjenigen begrüßt. Man lädt ihn doch gerade aufgrund seiner Kompetenzen und Fähigkeiten ein, also warum sollte man diese erneut prüfen wollen? Wenn er gelogen hat, wird er dies auch im Vorstellungsgespräch erneut tun. Aber so etwas kann man gerade in unserem Bereich ja auch schnell anders feststellen…

      Wirklich wichtig für ein Vorstellungsgespräch ist ob derjenige seine Mappe selbst bewundert, oder sie einem Tatsächlich in die Hand drückt, ob er einen Unterbricht, ob er eine klare prägnante Sprache hat die auch ein Kunde verstehen könnte der nicht vom Fach ist und ja, auch gerade solche vermeintlich unwichtigen Dinge wie Hobbys. Komme ich ins Gespräch oder herrscht von vornherein eine eisige Stimmung? Kann ich sogar mit ihm lachen? Kann er sich auf das Gespräch konzentrieren und auch wieder zum ernst der Sache zurückkommen? Usw. usw. usw.

      Sehr empfehlenswert ist da auch ein Seminar bei der IHK: AEVO, Ausbildereignungsverordnung. Da lernt man dann worauf es wirklich ankommt. Speziell für Designer noch eine Buchempfehlung: Adrian Shaughnessy: „So finden Sie Ihren Weg als Grafikdesigner“, erschienen bei Stiebner. Stehen supergute Erfahrungswerte drin.

    8. luziana

      witzig das ich das hier zufaellig lese. wir haben naemlich demnaechst auch bewerbungsgespraeche hier und da passt der artikel ja ideal :)
      vielen dank

    9. horus1969

      ich finde das ganze abschreckend und erniedrigend. bei so vielen fragen kriegt man gleich so ein gefühl, dass man dich hier nicht braucht…

    10. Jens

      guter Artikel hier findet man noch weitere Fragen zum Vorstellungsgespräch http://www.tipps-bewerbungen.de/vorstellungsgesprach-fragen/

    11. Wollmilchsau

      und hier haben zwei bloggende Personalberater einen Leitfaden zur Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche veröffentlicht:

      http://www.personalberater-blog.de/leitfaden-vorstellungsgespraech/

    12. Böttinger

      Hallo , schade für mich funktioniert leider folgnder Link nicht: http://www.bewerbung.tv/fragen.html

      „Forbidden

      You don’t have permission to access /fragen.html on this server.“

    13. Andreas M.

      Echt ein cooler Artikel! Vielleicht auch mal auf der Seite: http://www.headhunter-light.de/top-3-fragen-so-locken-bewerber-aus-res erve/ vorbeischauen, finde ich recht hilfreich.

    Kommentar schreiben.

    XHTML: Folgende Tags sind erlaubt:
    <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


    WordPress Theme von Jessika Schmitt und Matthias J. Korth