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Maren Mischke

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Im Forum (also auf www.mediengestalter.info) habe ich oft gelesen, dass viele Firmen ihren Kunden zu Weihnachten keine Geschenke mehr zuschicken und sich stattdessen auf weihnachtliche Nächstenliebe besinnen. Das sieht dann so aus, dass dem Kunden eine nette Karte zugeschickt wird, auf der steht, dass das Geld, das sonst für Geschenken ausgegeben worden wäre, gespendet wurde. An irgendeine mehr oder weniger angesehene Hilfsorganisation. Vorzugsweise welche, die Kindern helfen, das kommt immer gut. Und am besten welchen, die ganz weit weg wohnen.

Dabei fände ich es hübsch, stattdessen mal an ein Alkoholikerheim zu spenden. Kann man ja noch eine Flasche Glühwein zum Geschenk dazupacken. Dann hat man beides – das karitative und das weihnachtliche – in einem Abwasch erledigt und einen Bezug hat man auch noch hergestellt. Leider würden die Kunden das wohl nicht ganz so positiv auffassen. Komisch eigentlich…

Oder vielleicht an eine Fixerstube. „Sehr geehrter Herr XY, durch Ihren diesjährigen Verzicht auf eine materielle Danksagung unsererseits, haben Sie es einem Junkie ermöglicht, sich für ein Jahr lang sterile Spritzen in einer sauberen Umgebung zu setzen.“

Habt ihr was gemerkt? Diese Beispiele klingen ganz eigenartig, bizarr und vor allem gehässig. Dabei wären diese Einrichtungen – wie viele andere auch – durchaus unterstützenswert. Nur ist das gesellschaftlich nicht so anerkannt.

Daher bleibt es also bei Kindern oder vielleicht einem Tierheim. Allerdings nichts allzu dramatisches. Verwahrloste Kinder, die auf einem schmutzigen Boden auf durchnässten Matratzen sitzen und im Hintergrund vielleicht noch in einer kleinen Gruppe Klebstoff schnüffeln oder sich verkaufen, will keiner sehen. Da können die im Vordergrund noch so große Augen haben. Wenn die gleichen Kinder aber genauso mitleidig mit großen Augen in die Kamera blicken, dabei halbwegs gepflegt aussehen und im besten Fall auch noch schwarz sind, dann ist das schon was anderes. Die zieren schon eher die Karte, die man dann mit der Weihnachtspost zugesandt bekommt.

„Schade,“ mag sich der Eine oder Andere denken, „ich hätte ja lieber wieder einen schicken Kalender gehabt“. Aber man mag ja auch nicht so materiell sein. Und man kann sich ja auch dieses Jahr einfach mal selbst einen Kalender kaufen.

Es könnte so schön sein. Und so einfach. Von den gesparten Portokosten ganz zu schweigen. Ganz nebenbei hat man dann auch noch gezeigt, dass in dieser kalten materialistischen Kommerzwelt noch ein bisschen Liebe und ein Fünkchen Menschlichkeit übrig geblieben ist und zwar genau hier, in dieser Firma.

Das alles klingt so gemein und niederträchtig, dass ich mir beim Schreiben und Lesen meines eigenen Artikel gerne ins Gesicht spucken und schreien würde „Aber, aber, aber… Immerhin spendet so wenigstens mal einer was, das ist doch besser als nichts!“. Und was soll ich sagen – da habe ich Recht. Es ist so einfach, sich über die ganze Spenderei lustig zu machen. Es ist so leicht, über die „Krombacher Spenden-Offensive“zu lachen. Volvic wirbt schon seit einer Weile mit dem Zusatz „1 Liter für 10 Liter“ und rühmt sich damit, dass für jeden Liter getrunkenes Volvic-Wasser 10 Liter frisches Wasser in Äthiopien gewonnen werden. Auch kann man die „iPod nano (PRODUCT) RED Special Edition von Apple“ anzweifeln. Natürlich hat man derartige Aktionen auch schon passend betitelt – sowas nennt man nun „soziales Marketing“.

Sicherlich kann man Firmen vorwerfen, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen und sich in der Öffentlichkeit nur profilieren zu wollen. Oder Firmen, die anstatt Weihnachtsgeschenken Spendengelder locker machen, Bequemlichkeit unterstellen. Aber ist das nicht trotzdem besser als nichts?

Zum Abschluss noch ein lesenswerter Artikel aus dem Hamburger Abendblatt:
„Das Geschäft mit dem guten Gewissen“


Kategorie: Allgemein
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2 Kommentare zu “ Ein kleines (Weihnachts-) Märchen ”

  1. Philipp Mischke

    Ich habe dieses(bzw. letztes) Jahr zum ersten mal Geld gespendet. Das Paintball Forum sammelte für ein Kinder-Hospitz und übergeben es persönlich. Irgendwie hab ich da mehr Vertrauen und einfach mal spontan gespendet. Außerdem habe ich für meine Mutter den Roten Ipod eingekauft..Weil er halt rot ist, nicht wegen der Spende.

    Hier in den USA kann man für Highways spenden und diese adoptieren, DAS finde ich schrecklich! Nicht das ich mehr auf Delphine gebe, aber eine Straße ist einfach nicht „bedürftig“.

  2. Kerstin

    Böse Zungen wagen ja sogar zu behaupten, dass es deswegen keine Geschenke mehr gibt weil diese im Gegensatz zu den Spenden nicht steuerlich abzusetzen sind.

    Manchmal ist man so blind, danke Maren dass du mich dran erinnert hast. Ich bin ein großer Spender, schaue immer wo ich was spenden könnte, geb den meisten die an der Haustür klingeln und so nen Beglaubigungsschein oder ne Uniform haben was ohne das wirklich zu überprüfen und komme überhaupt nie auf den Gedanken es abzusetzen. Denn dann könnte man ja die ganze spenderei abschaffen und nur ne Abstimmung veranstalten wer staatliche Fördermittel bekommen soll.

    Aber die Idee mit den Fixerstuben find ich wirklich gut. Komisch, dass ich da noch nicht drauf kam. Aber vielleicht sollten sich das ja tatsächlich auch einige Chefs überlegen. So kommen sie schließlich ins Gerede und haben sehr viel mehr Aufmerksamkeit ;-).

    Gruß

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