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Arne Kocher

Arne Kocher

beginnt im Oktober das Studium der Druck- und Medientechnologie an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Zuvor hat er mehrere Jahre in der Druckvorstufe einer mittelständischen Druckerei gearbeitet.

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In letzter Zeit hat die Bedeutung von CMYK-zu-CMYK-Farbtransformationen und deren qualitativer Ergebnisse zugenommen. Entgegen der Forderung der meisten Experten die Bilddaten bis zu ihrer Ausgabe in einen bestimmten Zielfarbraum, im Quellfarbraum (meist RGB) zu belassen, wandeln Grafiker, Werbeleute und Reprofacharbeiter immer noch vorab in den viel kleineren CMYK-Farbraum. Dies geschieht aus den unterschiedlichsten Gründen:

  • Nur wenige beherrschen bisher die Bildretusche im RGB-Farbraum genauso sicher wie zuvor in CMYK.
  • Aufgrund der vielen verschiedenen Colormanagement-Lösungen und -technologien werden teilweise, in der Qualität unterschiedliche, Ergebnisse bei einer RGB-zu-CMYK-Separation erreicht.
  • ISOcoated hat sich schon ein wenig als ein sogenannter Master-CMYK-Farbraum (verfahrensneutral) verbreitet. Von diesem kann dann hochautomatisiert in die entsprechenden Zielfarbräume konvertiert werden.
  • »RGB-Farben kann man nicht drucken«. Die Aussage ansich ist ja nicht ganz falsch?
  • Sie wissen es nicht besser ;-)

Leider entspricht die angelieferte CMYK-Druckdatei oftmals nicht den Anforderungen in den Druckereien. Also wird eine erneute Reseparation oder, wenn ausreichend, lediglich eine Anpassung an den neuen Druckprozess erforderlich. Die Konvertierung auf Basis der bekannten ICC-Profiltechnik hätte hier teilweise verheerende Auswirkungen auf das Druckergebnis. Der Grund hierfür beruht auf der Tatsache, dass der Verbindungsfarbraum (PCS = Profil Connection Space) meistens LAB, jedoch immer nur dreikanalig ist. Somit führt eine Wandlung eines vier oder mehrkanaligen CMYK-Bildes (plus Sonderfarben) immer zu einer kompletten Neuseparation der Bilddatei. Als Resultat der Wandlung können dann vierfarbig aufgebaute Texte und Bilder, Abrisse in einigen Tonwertbereichen sowie in Verläufen die Folge sein. Genau hier setzt das Konzept der Device-Link-Technologie, eine Untergruppe der ICC-Spezifikation, an.

ISOcoated_Original
Links das Ausgangsbild in ISOcoated, rechts daneben der Schwarzauszug vom gleichen Bild
Schwarzauszuege
Hier sieht man die qualitativen Unterschiede zwischen der Device-Link-basierenden (links) und der ICC-basierenden Umwandlung (rechts) (nach ISOuncoated

Mit Device-Link-Profilen ist es möglich jeden Farbwert des Quellfarbraumes direkt mit einem entsprechenden Wert im Zielfarbraum zu verknüpfen. Für jede Änderung des Transformationsweges (z.B. ein anderer Zielfarbraum) ist ein neues Device-Link-Profil notwendig, welches, je nach Software dynamisch oder manuell erzeugt wird.
Der große Vorteil der Device-Link-Technologie besteht in der größeren Prozesssicherheit im Druck, die dadurch erreicht wird, indem die angekommenden Daten (z.B. PDF) gezielter in ihrem Farbaufbau verbessert werden können. Veränderungen an den Kundendaten werden auch nur dann ausgeführt, wenn diese für den Druckfarbraum notwendig sind. Ebenso gestatten, mit Device-Link-Technologie ausgestattete, Werkzeuge eine getrennte Behandlung des Schwarzaufbaues (Bilder/technische Raster), unbunt aufgebauter Töne (CMK, MYK oder CYK) oder Kominationen aus Primär- und Sekundärfarben.

Es gibt auch noch weitere, interessante Einsatzwecke, neben der CMYK-zu-CMYK-Konvertierung, in denen diese Technologie Sinn macht:

  • Begrenzung des maximalen Farbauftrages
    Viele Druckereien haben aufgrund des hohen, maximal möglichen Farbauftrages auf bestimmten Papierklassen (z.B. ISOcoated, PK 1 und 2, 350%) ein eigenes, angepasstes Profil mit einem geringeren Farbauftrag erstellt. Hier können separationserhaltende Device-Link-Profile gezielt nur die Farbwerte anpassen, die oberhalb des neuen Maximalwertes liegen.
  • Einsparung von Druckfarbe
    Ein sehr interessantes Thema, welches bei bestimmten Druckverfahren mit hohen Auflagen (z.B. Tiefdruck) zu beachtlichen Kosteneinsparungen der Druckfarbenkosten führen kann. Mit gezielten Eingriffen z.B. in die Separation (stärkeres GCR) wird versucht, ein möglichst visuell und messtechnisch gleiches Ergebnis zu erreichen.
  • Kombinationen aus verschiedenen Optionen und zusätzliche Anpassungen:
    Natürlich können die zuvor genannten Maßnahmen auch in Kombination genutzt werden. Manche Produkte, wie z.B. der GMG Color-Server optimieren die ankommenden Daten noch hinsichtlich optimaler Bildschärfe und Bildauflösung.

So ein Colorserver kann die anfangs total ungeeigneten Kundendaten in einem Rutsch bearbeiten und optimiert ausgeben. Damit wird der Druckprozess allgemein vorhersehbarer und somit auch stabiler und sicherer. Das erspart dann natürlich im Einzelfall auch eine teure, weil händische Anpassung, sowie jede Menge Ärger mit Kunden oder Grafikern.

Der Automatisierungsgrad solcher Lösungen ist recht unterschiedlich. Das Photoshop Plugin ColiPri bietet lediglich die manuelle Verarbeitung innerhalb von Photoshop. Für höhere Ansprüche gibts es Tools wie den Alwan CMYK-Optimizer oder den oben angesprochenen GMG ColorServer. Letzterer arbeitet jedoch nicht mit der herkömmlichen ICC-Device-Link-Technik sondern mit der GMG-eigenen 4D-Farbtransformation, welche aber qualitativ gleichwertige Ergebnisse produziert.

Die Firma Impressed hat auf ihrer Seite ein FAQ-PDF zum Thema bereitgestellt, welche auch kleine Übersicht zu den am Markt verfügbaren Lösungen enthält.

Weitere interessante Infos zur Device-Link-Technogie gibt es u.a. hier:

Heidelberger Druckmaschinen
Colormanagement-Experte Jan-Peter Homann zu diesem Thema

5 Kommentare zu “ Device-Link-Profile ”

  1. Maren Woker

    „Nur wenige beherrschen bisher die Bildretusche im RGB-Farbraum genauso sicher wie zuvor in CMYK.“
    Ich muss gestehen, dass das bei mir der Hauptgrund ist. In CMYK bewege ich mich einfach sicherer.

  2. karav

    Ich habe Ihrer BLOG gelesen und finde ich ihn sehr Interessant.

  3. duschem

    Ihr Blog finde ich sehr Interessant.

  4. Judit

    Als Studentin kann man immer wieder solche lehrreiche Blogs gebrauchen! Vielen Dank dafür! Eine Bereicherung zusätzlich zu unseren Unterlagen!

  5. Angel

    Ich verstehe, dass bei der Transformation von Farbräumen über ein Device-Link-Pfoil, keine Zwischentransformation (über PCS (z.b.Lab) stattfindet, aber wie genau wird umgerechnet?

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