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Gaston de la Rédaction

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handelskammer.jpgEinen Artikel über Photographie soll ich schreiben? Am besten erklären, wie man es richtig macht? Wie soll das denn gehen? Da hat doch wohl jeder ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was er für ein ?gutes? Photo hält.

Allerdings fällt mir seit längerer Zeit auf, dass viele Leute ?mal so eben nebenbei? ihre Photos machen. Scheint der Zeitgeist zu sein, alles möglichst schnell zu ?erledigen?. Wenn der Knipser (ich nenn? ihn jetzt mal einfach so…) mit seinen so entstandenen Bildern zufrieden ist…OK, soll er so weitermachen. Mir persönlich gefällt diese Art des Photographierens nicht sonderlich. Wenn ich mich dazu mal hinreißen lasse, bin ich nachher regelmäßig nicht zufrieden mit den Bildergebnissen.

Auch die ?Techniklastigkeit?, mit der heute viele Kamerabenutzer zu Werke gehen, halte ich für übertrieben. Sicherlich macht das Arbeiten mit einer ?anständigen? Ausrüstung mehr Spaß und erleichtert sicher auch das Erreichen der gewünschten Ergebnisse. Aber es ist doch immer noch so, dass keine Kamera und kein einziges meiner Objektive jemals alleine losgezogen ist, sich Motive gesucht, und dann die Bilder gemacht hätte.

Die Bilder entstehen idealer Weise schon vorher im Kopf des Photographen. Erst, wenn ich weiß, was ich als Ergebnis haben will, kann ich mich daran machen, diese Idee umzusetzen. Dabei mag die Technik eine Hilfe sein, aber sie sollte mich auch nicht zu sehr beschäftigen, damit ich nicht vor lauter ?Knöpfchendrehen? und ?Tastendrücken? den besten Moment verpasse…

Das ist einer der Gründe, warum ich Kameras mit klassischem Bedienkonzept bevorzuge: Für jede Funktion ein Schalter oder Rädchen, keine verschachtelten Menüs, sondern direkter Zugriff auf alle Funktionen. So mag ich das am Liebsten. Dann kann ich mich mit meinem Motiv beschäftigen, statt ständig an der Kamera herumzufummeln.

voegel.jpg

OK, ich habe etwas entdeckt, das ich gerne photographieren möchte. Also Programmautomatik eingestellt, schnell durch den Sucher geguckt und abgedrückt?

Kann man so machen, siehe oben. Man könnte aber auch erstmal überlegen, warum man dieses Motiv eigentlich ablichten möchte:

- Was ist daran so besonders?
- Was gefällt mir daran?
- Sind es die Farben oder das spezielle Licht?
- Strukturen?
- Linien?
- Ist es eine besondere Situation?

Im letzten Falle habe ich jetzt möglicherweise das Bild verpasst, weil diese besondere Situation gerade vorbei ist. Manchmal ist Schnelligkeit doch nicht schlecht…

In den anderen Beispielen, kann mir Nachdenken dabei helfen, herauszufinden, was das Wesentlich des Motivs ist, und erst dann kann ich mich daran machen, genau dieses Wesentliche möglichst gut darzustellen. Das kann bei mir schon einmal dazu führen, dass ich mich ?ne gute Stunde oder länger mit einem Motiv befasse, es von alle Seite betrachte, verschiedene Perspektiven überprüfe, ohne auch nur einmal die Kamera auszulösen. Manchmal passiert es dabei auch, dass ich feststelle, dass dieses Objekt nicht so zu photographieren ist, wie ich es mir vorstelle. Dann muss ich halt weitersuchen…

Meistens allerdings finde ich auf diese Weise einen oder mehrere Blickwinkel, mit denen ich dann zufrieden bin. Oft ergibt sich aus der ganzen Nachdenkerei eine deutliche Konzentration des Bildausschnittes auf das Wesentliche des Motivs. Ich lasse dann also alles, was vom eigentlichen Motiv ablenken könnte weg, indem ich nah herangehe. Wenn ich nun den passenden Bildausschnitt habe, wobei ein Stativ (auch im Sinne einer ?Entschleunigung?) hilfreich ist, dann kann ich mithilfe der Blende bestimmen, wie groß ich denn den Bereich haben möchte, der auf dem Bild scharf abgebildet sein soll.

bank.jpg

Einige werden jetzt wahrscheinlich denken: ?Na alles natürlich?, aber gerade das Spiel mit Schärfe und Unschärfe hat seinen Reiz. Ich kann so das eigentliche Motiv scharf vor einem unscharf abgebildeten Hintergrund ?freistellen?. Das funktioniert allerdings nur, wenn ich eine Kamera verwende, die es erlaubt, die Blende von Hand einzustellen, und noch besser geht?s, wenn die Kamera auch eine Abblendtaste hat, die mir gestattet, das zu erwartende Ergebnis vorher im Sucher zu begutachten.

Mit der Größe der Blendenöffnung lässt sich also der Bereich der Schärfentiefe steuern. Eine große Blendenöffnung (= kleine Blendenzahl) ergibt einen kleineren Schärfebereich, eine weit geschlossene Blende (= hohe Blendenzahl) ergibt folglich einen größeren Schärfebereich. Dieser Effekt ist allerdings auch von der jeweiligen Aufnahmeentfernung abhängig, denn im Nahbereich ist die Schärfentiefe ohnehin kleiner, so dass eine weit geöffnete Blende noch kleinere Schärfebereiche ergibt.

Wenn ich mich für die Blende entschieden habe, bleibt nur noch, die Menge des Lichtes, das den Film oder Sensor erreichen soll zu dosieren. Das geschieht zum einen durch die Größe der Blendenöffnung, die ja nun feststeht, und zum Zweiten durch die Dauer der Belichtungszeit. In der Regel machen das moderne Kameras automatisch richtig und gut, so dass nun das Bild im Kasten sein sollte.

sonnenblume.jpg

Das hier soll bestimmt kein Artikel sein, im Sinne von: ?wie mache ich ab sofort nur noch supertolle Fotos…?, sondern eher eine Erinnerung daran, dass man sich bei der Beschäftigung mit seinen Motiven einfach mal wieder etwas Zeit lassen sollte. Immerhin ist das doch für die meisten von uns ein Hobby, dem wir freiwillig nachgehen. Niemand hetzt uns, wir haben die Zeit, zu versuchen, das Beste, Schönste, Wichtigste, Besondere oder was auch immer an unserem Motiv herauszuarbeiten.

Mag sein, dass das etwas ist, was der Profi verliert, wenn er unter Zeit- und Erfolgsdruck gerät. Mir jedenfalls macht diese Weise zu photographieren viel mehr Spaß, als von Motiv zu Motiv zu hecheln und so doch nur ?Bilder einzusammeln?…

2006-03-22_0008.jpgIch lebe seit etwa einem Vierteljahrhundert hier an der Unterelbe im Westen Hamburgs und fühle mich eigentlich recht wohl hier. Seit fast ebenso langer Zeit photographiere ich, hauptsächlich alles das, was es so in der Natur zu sehen gibt. Man könnte mich also als ?Naturphotograph? bezeichnen, mir klingt das allerdings oft schon zu professionell für jemanden, der die ganze Geschichte hobbymäßig betreibt. Trotzdem ist manchmal der Aufwand, den ich betreibe, um ein bestimmtes Motiv abzulichten so hoch, daß ich regelmäßig auf Unverständnis stoße, wenn ich z.B. den ganzen Tag lang auf einem Quadratmeter im Versteck hocke, um ?irgend so einen Vogel? zu erwischen. Wenn ich ihn dann habe, ist es aber nicht mehr ?irgend so ein Vogel?.

Für mich bedeutet mein Hobby aber auch immer mal wieder so etwas wie Ausstieg aus dem Alltag, manchmal Meditation oder etwas ähnliches. Ich kann mich dann auf einen kleinen Ausschnitt dieser Welt konzentrieren, und wenn’s gelingt, habe ich hinterher diesen Ausschnitt abgebildet.

Ich photographiere gerne die Dinge in und um Hamburg, muß allerdings gestehen, daß mein Herz doch viel lieber in Südfrankreich schlägt, und von dort kommen auch die Bilder, die ich in ?Camargue – Photos? zeige.

Die hier gezeigten Bilder stammen vom Hamburger Fotoblog den ich zusammen mit Jörn Daberkow betreibe.

Andreas Lettow

2 Kommentare zu “ Photographieren… (mit Licht zeichnen…) ”

  1. valentin tomaschek - » vom surftipp…

    […] vor zwei tagen hatte ich hier den surftipp zum hamburger-fotoblog veröffentlicht. spontan kam mir eine idee… nun gibts einen sehr schönen gastartikel auf dem http://www.mediengestalter-blog.de […]

  2. G. Jütten

    Da spricht mir jemand aus der Seele.
    Ich unterscheide selbst meine eigenen Bilder nach „Abrissen – “ und „Bilder meines Lebens“. Abrisse sind die Bilder, die wahrgenommen aber nicht gesehen wurden. Bilder, das sind die, mit denen ich auch eine gewisse Emotion verbinde.
    Und an dieser Stelle erinnere ich mich an meinen alten Lehrmeister (Gott hab ihn selig), der mich mit einer alten Kamera in die nahegelegene Kiesgrube schickte, mit dem Auftrag „Steine fotografieren“. “?? – Steine fotografieren…spinnt der ?“. Heute begreife ich diesen Auftrag als eine Lehrstunde zum „sehen“. Alle Bilder wurden bis ins kleinste Detail diskutiert und nach Farben, Formen, Strukturen, Schatten, Licht…..geordnet. Der Auftrag Steine zu fotografieren wiederholte sich des öfteren, bis er eines Tages meinte ich sei jetzt soweit, das Ganze mit einem Schwarz-weiss Film anzugehen. Für mich war es ein Horror, für ihn eine Auszeichnung….
    Na, ja – bin mal wieder total vom Weg abgekommen. Trotzdem herzlichen Glückwunsch zu einem gelungenen Artikel.

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