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Maren Mischke

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Ich werde demnächst umziehen und habe diesen Umstand zum Anlass genommen, mal ein wenig auszumisten und nachzusehen, was ich zum Beispiel in diesen dicken blauen Aktenordner eingeheftet habe, der unter anderem in dem Regal neben meinem Schreibtisch steht. Ich staunte nicht schlecht, denn was mir da in die Hände fiel, waren ein sorgsam abgehefteter Stapel Unterlagen. Und zwar nicht irgendwelche, sondern altes Material aus der Berufsschule. Ein großer Berg voller Informationen rund um das Mediengestalter-Dasein. Ich blätterte ihn durch und mit der Zeit machte ich drei wesentliche Feststellungen:

1.) 98% der einst so gewissenhaft einsortierten Blätter konnten getrost in den Altpapiercontainer wandern. Ich meine, mal ehrlich, wenn ich konkret etwas nachschlagen möchte, suche ich dann diesen Stapel durch oder konsultiere ich nicht eher das Internet oder eines meiner Fachbücher?

2.) Hatte ich diese ganzen Inhalte tatsächlich einmal verinnerlicht? In einer alten Klausur habe ich Fragen beantwortet, da runzele ich heute schon bei der Aufgabenstellung die Stirn. Bin ich tatsächlich schon so alt, dass ich wichtige Inhalte aus meiner Ausbildung schon längst vergessen habe? Konnte ich wirklich einmal Hexadezimal- in Binärcode umrechnen? Ich war beeindruckt. Von mir selbst. Ist das arrogant? Irgendwie schon, aber ich finde, das kann ich verantworten.

3.) Ich verfiel in ein verklärtes „Ach, damals…“-Lächeln und wurde von nostalgischen Gefühlen überwältigt. Da war dieses Konzept, an dem wir Ewigkeiten gefeilt hatten? Und hier diese eigenartige Kreativ-Übung, in der nur Standard-Lösungen erwünscht waren und alle sich darüber aufregten, dass darin ja wohl ein Widerspruch bestünde. Unter anderem fand ich auch den Brief, in dem sich eine sehr gute Freundin aus der Klasse verabschiedet hat, weil sie aufgrund ihrer Ausbildungsverkürzung auf zwei Jahre kurzfristig in eine andere Klasse wechseln musste. Schnief.

Natürlich habe ich nicht alles weggeworfen. Ein paar Erinnerungsstücke habe ich aufgehoben. Zum Beispiel ein paar Klausuren, in denen ich gut abgeschnitten habe (die anderen natürlich nicht!) und sonst ein paar Sachen, die mir etwas bedeutet haben und mich immer noch daran erinnern, dass ich die Zeit in der Berufsschule genossen habe. Dort habe ich nette Leute kennen gelernt und neulich haben wir ein Klassentreffen veranstaltet. Das war wirklich schön. Man sagt, gerade in der Medienbranche herrschen „amerikanische Verhältnisse“ und die meisten leben nach der „aus den Augen, aus dem Sinn“-Mentalität. Das kann ich so nicht bestätigen.

Eines werde ich aber in jedem Fall wegwerfen: Ich besitze noch eine Ausgabe der zweiten – und damit längst überholten – Auflage des Kompendiums der Mediengestaltung. Das dient mir seit der Abschlussprüfung – also seit gut zwei Jahren – als Stütze, damit mir beim Lüften das Fenster nicht zufällt. Und von manchen Zöpfen kann man sich auch im Rausche der nostalgischen Gefühle trennen.

2 Kommentare zu “ Nostalgie ”

  1. Franz Dumfart

    Huhu,

    da schreibt mir ja jemand aus der Seele. Bei mir ist es zwar erst ein Jahr aus, dass ich meine Abschlussprüfung hatte, jedoch ist mir auch unklar was ich da damals alles gelernt hatte, bzw. alles in meinen Kopf gespeichert bekommen hatte ;)

    Und wie es der Zufall so mag stieß ich vor zwei Wochen auf das grosse Geheimniss „Hexadezimal- in Binärcode“. Keine Ahnung wie das noch funktioniert. Die ganzen Unterlagen verstauben am Dachboden und ich werde sie wohl auch erst wieder durchblättern wenn die Blätter vergilbt sind.

    Schön geschriebener Eintrag jedenfalls. Komme jetzt öfters vorbei ;)

  2. karin

    hallo maren,

    weil es heute so gewittrig-frisch-windig ist, kam mein kompendium auch mal wieder zum einsatz… will ja nicht, dass das fenster einfach zuknallt. dieses elende monstrum ist aber wirklich zu sonst nix gut.

    danke für den beitrag, ich komme jetzt auch öfter vorbei!

    grüßle von karin.

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