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Gaston de la Rédaction

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Letztes Jahr um diese Zeit habe ich angefangen, ein Buch zu schreiben (ohne wirklich zu wissen, auf was ich mich da eingelassen habe). Jetzt – 566 Seiten und fünf Monate später und mehr denn je in der Materie gefangen – der Versuch eines Resumees – über Grafiksoftware, Bücher, das Unterrichten und wer dabei eigentlich am meisten lernt.

Schreiben war früher nicht mein Ding. Lieber gleich machen, nicht erst aufschreiben. Die Lust am Formulieren und Schreiben kam erst, als ich anfing, in Mailinglisten zu diskutieren. Aber das Schreiben hat ein hohes Suchtpotenzial. Hat man einmal Spaß daran gefunden, wird es immer mehr: Mailinglisten, Foren, Leserbriefe, Gastbeiträge in Weblogs ;-). Wer sowieso Buchstabenjunkie ist, kommt davon nicht wieder los.

Eigentlich bin ich ja FreeHand-User. Illustrator… das war über Jahre das Programm, mit dem ich nichts anfangen konnte. Es war OK, um hilfsweise eine Diagrammgrundlage zu bauen, solange FreeHand das noch nicht konnte, aber ansonsten … eher nicht. Dann hat Macromedia Abstand genommen von regelmäßigen Updates. Anfangs freut man sich ja noch, aus dieser Aktualisierungs-Tretmühle rauszukommen. Als sich dann aber auch nach gefühlten zehn Jahren noch kein Schatten eines Updates zeigte und Bugs nur mehr dokumentiert, aber nicht bereinigt wurden, war es höchste Zeit, an einen Umstieg zu denken.Sollte doch eigentlich einfach sein nach so vielen Jahren Grafik: Vektor ist Vektor. Handbuch? Mac-User können ja angeblich überhaupt nicht lesen. So richtig zum Illu-Fan bin ich aber erst nach Andrei Herasimchuks unglaublich spannendem Illustrator-Quiz geworden: es zog sich über eine Woche hin, bis alle Fragen gelöst waren. Einige dieser Fragen habe ich zum Anlass genommen, Funktionen nicht nur anzuwenden, sondern zu versuchen herauszufinden, wie der Illu eigentlich tickt. Der Link zum Quiz.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe Software nur zu zwei Anlässen gründlich gelernt: Ein neues Programm für den eigenen Gebrauch, oder die Notwendigkeit, es zu unterrichten. Updates platzen meist mitten in den Produktionsalltag hinein und man hat nie richtig Zeit, sich mal alles richtig anzusehen. Höchstens auf den Roadshows der Hersteller kann man mal ein paar Funktionen „nebenbei mitnehmen“. Wer mit vielen Kollegen in einer Agentur zusammenarbeitet, bekommt dort natürlich auch etwas mit. Mit Abstand am meisten gelernt habe ich jedoch bei meinen Unterrichtsvorbereitungen (und jetzt beim Buchschreiben), denn bevor ich überhaupt anfangen kann, es zu erklären, muss ich eine Funktion oder einen Zusammenhang komplett durchschauen. Ansonsten kann es passieren, dass man bei der ersten Frage leicht aus der Bahn geworfen wird. Natürlich kann man sich Rückfragen generell verbitten … was jedoch die Aufmerksamkeit der Zuhörer keinesfalls steigert.

Die Anfrage von Galileo (www.galileopress.de), ob ich nicht ein Buch über Illustrator schreiben möchte, kam ziemlich aus heiterem Himmel. Mit sowas rechnet man ja nicht. Vorgesehen war ein sehr enger Termin, den ich alleine unmöglich hätte schaffen können. Ich hatte eine Idee, mit wem ich das gerne zusammen machen wollte – der Co-Autor hat auch zugesagt (ist jedoch kurz darauf aus Zeitgründen wieder ausgestiegen). Zusätzlich von meiner Lektorin noch die vorsichtige Frage, ob ich es nicht auch selbst setzen könnte? Ähh, nein, also wenn ich die Wahl habe, eigentlich lieber nicht. Andererseits ist es ziemlich peinlich, die Arbeit mit InDesign zu verweigern, wo ich es doch selbst unterrichte. Außerdem war ich neugierig auf die Erfahrung. Also, über das Setzen in Quark hätte ich anders nachgedacht.

IMG_2516(2).jpgWenn ein Buch einmal angefangen ist, ist es jedenfalls einfacher, weiterzumachen.

Wie aber fängt man ein Buch an? Da ich als Ersatz eingesprungen bin, gab es schon den Entwurf eines Inhaltsverzeichnisses, den ich mit meinem Co-Autor komplett überarbeitet habe. Mind-Map-Software soll für diese Arbeit ja wie geschaffen sein – wir haben es auf die traditionelle Art gemacht und Papierschnipsel hin- und hergeschoben. Anschließend die Kapitel verteilt und regelmäßige Treffen verabredet. Ein weiterer Aspekt der Vorbereitung bestand darin, sämtliche noch greifbaren Mac-Zeitschriften (zum Glück waren zwei Jahrgänge noch nicht im Altpapier) nach Buchkritiken zu durchsuchen, um aus den Fehlern anderer Autoren zu lernen.
Wichtig war es sowohl für den Verlag als auch für uns, möglichst schnell ein Feedback zu einem ersten Kapitel zu erhalten. Und um
aussage- kräftig zu sein, sollte es ein längeres Kapitel sein, nicht die 4-Seiten-Abhandlung über die neuen Features.

IMG_2530.jpgAls zweites Kapitel habe ich mich an die 9 gemacht, das Kapitel mit dem Zebra. Diese kleine Wacom-Skizze sollte eigentlich nur den Zweck erfüllen, LivePaint zu demonstrieren und Spaß dabei zu haben. Durch die Begeisterung, die es auf alle Gesichter gezaubert hat, hat es aber inzwischen etwas mehr Bedeutung. Es markiert den Punkt, ab dem ich so richtig „dabei“ war.

Wie bei all meinen Texten habe ich die ersten Sachen noch in TextEdit verfasst. Dies wurde aber mit dem Zuordnen der Abbildungen immer schwieriger, so dass ich die Texte schon bald direkt ins Layout geschrieben und die Abbildungen gleich eingebunden habe. Für diese Arbeitsweise sind die Verankerten Objekte von Indesign CS2 extrem nützlich. Das Setzen ist viel Mehrarbeit, hat sich aber im Rückblick als vorteilhaft herausgestellt – und das nicht nur, weil ich mit InDesign besser zurechtkomme als mit Word. Die genaue Kontrolle darüber, welche Abbildung wohin kommt und vor allem, wo noch etwas fehlt, macht sich letztendlich im Aufbau des Buchs bemerkbar.Auf die Adrenalinstöße bei all den Arbeitsschritten, die ich bis dato nur theoretisch kannte – wie Index und Inhaltsverzeichnis generieren, eine wirklich umfangreiche Buchdatei anzulegen und zu handhaben, ohne dabei alles durch das unbeabsichtigte Anlegen einer einzelnen zusätzlichen Seite zu ruinieren – hätte ich allerdings gern verzichtet.

IMG_2562.jpgEs ist eigentlich gar nicht so schwierig, in den Arbeitsablauf des Schreibens hineinzukommen – dafür sorgt schon die Deadline. Eine ungefähre Seitenzahl war vorgegeben – die Berechnung, wieviele Seiten das pro Tag macht, ist selbst für Designer zu bewältigen. Diese Anzahl dann auch zu schreiben, ist natürlich eine andere Sache. Wenn eine Woche gut gelaufen ist, bin ich auf 25 Seiten gekommen. Ein Schreckensmoment war die erste Korrekturrunde. Dann kommt der Paketdienst mit einer dicken Schachtel und alles ist in bunten Farben unterstrichen: vom Korrektor, von der Lektorin und von der Herstellungsabteilung. OK – gebt mir ungefähr vier Wochen, dann ist das eingearbeitet … und die Korrektur des Worts „numerisch“ verpasst dem Umbruch jedes Mal einen Tiefschlag. Neue deutsche Rechtschreibung …

Meine Kunden „drohten“ in diesem Sommer glücklicherweise nicht mit allzu vielen Aufträgen, daher war es mir möglich, das Projekt „Buch“ auch durchzuziehen. Der Tagesplan einer Autorin ist einfach: Aufstehen – Schreiben – ins Bett gehen. Viel schwieriger ist es, aus dem Tagesablauf wieder heraus zu kommen und einen komplexeren Plan zu machen, z.B.: Aufstehen – Frühstück – Job 1 – Mittag – Job 2 – Abendessen – Fernsehen – ins Bett gehen. Ich kann das auch noch nicht wieder und nutze deshalb gerne jede Gelegenheit (über Illustrator) zu schreiben. Und weil in meiner Stamm-Mailingliste i-worker (www.i-worker.de) bestenfalls alle drei Jahre einmal eine Frage zu Illu gestellt wird, bin ich ins Mediengestalter-Forum gekommen. Durch die Beschäftigung mit Problemen anderer Leute habe ich in der letzten Zeit auch wieder eine Menge über FreeHand gelernt.

In gewissem Sinne ist dieses Buch ein Zurückkehren zu meinen Wurzeln: Vektorgrafik war das Erste, das ich am Computer gemacht habe. Trotzdem ist Multimedia, 3D-Grafik und Web-Design kein Umweg gewesen. Im Gegenteil – bei 3D liegt der Bezug zu Illustrator nahe, aber komischerweise hat mir der Umgang mit Cascading Style Sheets geholfen, die Aussehen-Eigenschaften vom Illu leichter zu verstehen.

IMG_2556.jpgPS: Was ich wirklich gerne wissen möchte – und wer noch mit richtigen Zeichenfedern auf Reinzeichenkarton gearbeitet hat, wird die Frage verstehen: eine Zeichenfeder sieht anders aus als das Werkzeugsymbol.
Und außerdem hat man Ende der 80er, als Freehand und Illu auf den Markt kamen, sowieso schon mit Rapis gezeichnet. Also: wie kommen die Hersteller zu diesem Füller-Symbol, mit dem man im wirklichen Leben zwar wunderschön schreiben, aber keinen geraden Strich ziehen könnte?


mg.jpgMonika Gause
Kommunikationsdesignerin (Institute of Design Hamburg www.ingd.de)
Nach einigen Jahren Freelance im Print-Bereich Mitgründerin der Ateliergemeinschaft mediawerk. Fokussierung auf Offline-Multimedia-Projekte (viel im Museumsbereich) wie Info-Terminals und CD-ROMs. Seit Ende der 90er Jahre vermehrt Web-Projekte und auch wieder Print. Lehrtätigkeit an der Universität Lüneburg/Rechenzentrum (www.uni-lueneburg.de), Vorträge bei Veranstaltungen im Kulturbereich und regelmäßige Beiträge zur Rubrik „Tipps und Tricks“ in der PAGE (www.page-online.de).

www.mediawerk.dewww.vektorgarten.de


Anmerkung der Redaktion: Monika Gause ist so nett und hat uns ein Exemplar ihres Buches überlassen. Dieses werden wir am Ende der Woche hier auf dem Blog verlosen!

3 Kommentare zu “ Von Zebras und Zeichenfedern ”

  1. JaySee

    Sehr interessant zu lesen. Mir gefällt deine Offenheit. Jemandem, der vom Sockel runtersteigt, „höre“ ich gerne zu. Man erhält Einblicke in Dinge, in die man sonst nicht so einfach vordringt. Ein Buch zu schreiben, gehört für mich zu diesen Dingen.
    Womit man lieber arbeitet, hängt sicher mit der Ausbildung und den eigenen Vorlieben zusammen. In meiner Mediengestalterausbildung war das Photoshop/Freehand/Pagemaker. Während das Lösen von Pagemaker (bedingt durch das seltene Setzen eines Buches) relativ einfach war, mag ich Freehand mit seinen Macken nicht missen. Die propagierten Vorteile der Mitbewerber erschließen sich „noch“ nicht, die Zeit für einen Umstieg fehlt und aus Spaß in eine Programm mit derartiger Funktionalität einarbeiten, naja. Auch Corel11 hab ich bedingt durch meine Kunden probieren dürfen, ich komme trotz des Herstellerlobes nicht zurecht.
    Auf dem Markt existiert viel Literatur zu Programmen, wo man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, das Handbuch des Herstellers in einem anderen Einband vorliegen zu haben (bzw. heute überhaupt in einem Einband). Gewisse Bücher wiederum sind erst richtig zu verstehen, wenn man das Programm schon so gut kennt, dass man es gar nicht mehr braucht. Wie dem auch sei, ich hoffe, die Arbeit hat sich gelohnt und das Buch schlägt ein.

  2. Laux

    Liebe Leser, liebe Frau Gause,

    Sie haben ein ganz tolles Buch geschrieben!

    So lange wie Sie zum Schreiben des Buches brauche ich zum Lesen (ca.25 Seiten/ Woche)…witzig, witzig.
    Interessant – ich komme jetzt zum Zebra-Kapitel – fand mich in Ihrem Buch aber gleich
    beim ersten Durchblättern wohl und zu Hause.

    Wieviel arbeit dieses Buch gemacht hat merkt man(n) beim intensiven Lesen. Vielen Dank, dass Sie sich diese Mühe gemacht haben!
    Gibt es eine Fortsetzung?

    Gruss M.Laux

  3. Monika Gause

    Liebe/r M.Laux,

    vielen Dank für das Lob.
    Fortsetzungen finden Sie bei MyGalileo im „Buchupdate“, auf Vektorgarten.de, in vielen Threads im Mediengestalter-Forum und bei den Tipps und Tricks in der PAGE.

    Weiterhin viel Spaß beim Lesen!

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