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Maren Mischke

…lebt und arbeitet im schönen Düsseldorf am Rhein.

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So, jetzt mal Butter bei die Fische! Was will ich in meinem beruflichen Leben erreichen? Wo sehe ich mich in fünf/zehn/hundert Jahren? Das ist die Frage, die ich bei Vorstellungsgesprächen immer schon gehasst habe. Wo soll ich mich da schon sehen, außer im Spiegel und auf Fotos?

Spaß beiseite – ich kann diese Frage eigentlich nicht beantworten. Wenn man mich vor zehn Jahren gefragt hätte, wie mein Berufsleben aussieht, wenn ich mal 25 bin, die Antworten wären vielfältig gewesen. Und kaum eine hätte den Kern der Sache getroffen. Das hätte nicht daran gelegen, dass ich damals erst 15 war, denn mit 20 hätte ich mit einer Fünf-Jahres-Prognose auch ganz schön daneben gelegen. Lag es an meiner jugendlichen Naivität? Mitnichten. Die Antwort ist einfach: Es wären nur wilde Spekulationen gewesen.

Ich hätte niemals vorhersagen können, dass mein beruflicher Werdegang sich so ereignet, wie er bisher verlaufen ist. Niemand hätte das gekonnt und ich finde das auch nicht schlimm. Und ich will auch nicht verstehen, warum ich das bis ins Detail planen soll. Man weiß doch nie, was sich ergibt und was Kommissar Zufall noch für Überraschungen für einen parat hat.

„Et kütt, wie et kütt“, sagt man hier im Rheinland, auf hochdeutsch: „es kommt, wie es kommt“. Die Weisheit kann man vielfältig interpretieren, doch eines sagt sie ganz gewiss aus: man muss flexibel bleiben und die Dinge nehmen, wie sie kommen. Die Wege des Schicksals sind unergründlich, aber was soll’s, folgen wir ihnen. So einfach kann es sein. Als ich damals mit der Schule fertig war, wusste ich nicht, ob ich mich für das Schreiben oder das Gestalten entscheiden sollte. Da das Schreiben mit einem Studium verbunden gewesen wäre und ich damals genau wusste, dass ich keine Lust hatte, mir vieles in Eigenregie anzueignen und ich letztendlich viel zu viel faulenzen würde, habe ich mich für das Gestalten entschieden. Dafür gab es einen Ausbildungsberuf namens „Mediengestalter“, hatte ich gehört und das fand ich gut. Im Nachhinein bin ich manchmal erstaunt, dass ich damals so weitsichtig war. Während der Abiturzeit führte ich ein eher laues Leben, was das Lernen anging. Nicht, dass ich eine schlechte Schülerin gewesen, keine Hausaufgaben gemacht und nie gelernt hätte, aber richtiges „Lernen“ sieht anders aus. Und ich wusste wohl, dass es so nicht weitergehen konnte.

Also bewarb ich mich auf einen der wenigen freien Ausbildungsplätze, die es noch gab (so weitsichtig war ich nun auch wieder nicht, das ich gewusst hätte, dass man sich da schon Jahre vorher drauf bewerben muss und es nicht so einfach ist, einen zu ergattern) und war voller Elan bei der Sache. Bewerben fand ich irgendwie cool und ich fuhr zu diversen Betrieben, um ihnen meine Bewerbungsunterlagen persönlich zu überreichen. Mit dem ersehnten Ausbildungsplatz hatte es zwar trotzdem nicht geklappt, aber dafür hatte ich ein Praktikum in der Druckvorstufe gefunden. Dies entpuppte sich nach und nach nicht gerade zum Traum meiner schlaflosen Nächte und schon gar nicht zu dem Beruf, den ich fortan erlernen und ausführen wollte, aber ich lernte erste gestalterische Schritte am Computer und noch mehr für’s Leben. Außerdem fand ich Gefallen an der Arbeitswelt und mein spärliches Gehalt (sowie die finanzielle Unterstützung meiner Eltern) gaben mir den Eindruck von Unabhängigkeit. Es konnte also nur aufwärts gehen.

Während des Praktikums schrieb ich weiter fleißig Bewerbungen und hatte das unverschämte Glück, einen tollen Ausbildungsplatz angeboten zu bekommen. Nachdem der Vertrag unter Dach und Fach war, kehrte ich meinem Praktikantendasein den Rücken zu und damit hatte ich meine ersten neun Monate Arbeitsalltag hinter mir.

Aber da ja erst Frühling war und die Ausbildung im August beginnen sollte, musste ich irgendwie Geld verdienen. Ich nahm einen Aushilfsjob in einem Immobilienbüro an. Bis heute erscheinen mir die Erinnerungen an diese Zeit unwirklich, was aber an all den seltsamen Erfahrungen liegt, die ich dort machen musste. Und manchmal habe ich mich auch gefragt, warum ich nicht einfach so einen netten Bürojob wie diesen erlernt habe. Kopieren kann so schön sein. Adressen eintragen auch.

Wie dem auch sei, im August 2001 begann ich meine Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien, Fachrichtung Mediendesign (Print). Die nachfolgenden drei Jahre kann man mit dem Wort „schön“ zusammenfassen. Ich hatte das Glück, dass mein Ausbildungsbetrieb nicht zu der Sorte gehört, der Azubis gnadenlos ausbeutet und gegen Ende der Ausbildung wusste ich folgendes: ich liebe diesen Job. Aber eine Übernahme war leider nicht drin und ich wusste auch, ich will nicht in die böse Welt da draußen, wo man seine Ellbogen einsetzen muss, um nicht unterzugehen und für sehr wenig Geld sehr viel Arbeiten muss und der Spaß an der Arbeit auf der Strecke bleibt.

Ich wollte kein reiner Mediengestalter sein. Ich wollte auch schreiben dürfen und da ich die Bestätigung bekam, dass ich zwar schon kreativ und meine gestalterische Arbeit „schon OK, aber meine Texte dazu, also die wären echt toll“ sei, fasste ich mir ein Herz und entschied mich für ein Studium. Ich fühlte mich bereit dazu, ich hatte Lust, zu lernen. Für die Abschlussprüfung hatte ich mich – anders als für mein Abitur – gründlich vorbereitet und sehr viel gelesen. Ich freute mich auf mein Studentenleben und das ganze Wissen, das ich mir aneignen wollte. Über Umwege geriet ich an Linguistik, auch als Allgemeine Sprachwissenschaft bekannt. Anfangs war alles super, wenn auch sehr anstrengend und nach zwei Semestern war ich furchtbar unglücklich, weil ich mir alles ganz anders vorgestellt hatte, mit völlig anderen Erwartungen an die Sache herangegangen war und sich alles in eine Richtung entwickelte, die ich gar nicht wollte und, schlimmer noch, mich auch im Detail nicht sonderlich interessierte. Das Studium, das mir immer weniger gefiel, der Nebenjob in einer PR-Firma und die Selbstständigkeit nebenbei, damit ich wenigstens ab und an ein paar gestalterischen Tätigkeiten nachgehen konnte, trotz allem Geldsorgen und immer noch von den Eltern abhängig sein zu müssen? All das wuchs mir über den Kopf.

Dazu stellte ich mir die Frage, ob beruflich überhaupt davon profitieren würde, wenn ich ein abgeschlossenes Studium in der Tasche hätte. Mein persönliches Fazit lautete: nein. Es schien mir weder Tür und Tor zu öffnen, noch lockte die Aussicht auf ein gutes Gehalt. Wozu also der ganze Stress? Für nichts und wieder nichts?

Ich beschloss, mein Glück in den Semesterferien zu versuchen und mich einfach mal auf ein paar Jobangebote zu bewerben. Falls es nicht klappen sollte, hätte ich eben weiter studiert. Doch Fortuna war mir wohl gesonnen und ich wage kaum, es zu schreiben, weil es so klingt, als wäre mir alles in den Schoß gefallen (was es wirklich nicht ist, mein bisheriger beruflicher Werdegang war mit viel Arbeit verbunden!), aber: ich habe einen Job gefunden. Allerdings nicht als Mediengestalterin. In meinem Vertrag steht „Grafikerin“. ;o) Also eigentlich dasselbe. Das Studium habe ich an den Nagel gehängt und in dem knappen halben Jahr, das ich jetzt hier arbeite, habe ich diesen Entschluss nicht bereut und fühle mich in meinem Beruf ausgesprochen wohl. Ich finde, das ist ein sehr gutes Zeichen.

Es scheint, ich bin endlich an einem Punkt angekommen, an dem ich weiß, dass ich Mediengestaltung gerne die nächsten Jahre über ausüben möchte. Vielleicht nicht für den Rest meines Lebens – aber in den nächsten zehn Jahren sicherlich. (Aufmerksame Leser haben bemerkt, dass ich nun aus Versehen doch eine der Eingangsfragen beantwortet habe).

Mein unruhiger Geist hat aber scheinbar noch nicht ganz begriffen, dass ich inzwischen einen Job habe, der mir Spaß macht und daher spukte mir neulich das Wörtchen „Weiterbildung“ im Kopf umher und mutierte langsam zu dem Wort „Abendstudium“. Zwei Jahre lang sollte das gehen und mich an mehreren Abenden pro Woche zur Marketingfachfrau machen. Ich überlegte hin und her und war quasi schon auf dem Weg zur Infoveranstaltung, als meine innere Stimme mich endlich zur Besinnung brachte und rief „Bist du eigentlich noch zu retten? Hast du nicht immer gesagt, dass du so etwas nie machen willst? Willst du denn gar kein Privatleben mehr haben? Du bist so froh, wenn du mal ein paar Tage am Stück pünktlich Feierabend hast, ist dir klar, dass das dann die nächsten zwei Jahre so gut wie nie vorkommen wird? Und dass dich das in deinem Job nicht voranbringt? Die Abendseminare liegen so, dass du wirklich überpünktlich Feierabend machen musst und dann sofort das Büro verlassen musst. Das macht dich unglücklich, sorgt für Spannungen im Team und die interessanten Projekte, die Verantwortung mit sich bringen, wirst du nicht mehr machen können und dann hängst du an den langweiligen Jobs fest! Willst du das?“.

Ich musste nicht lange nachdenken und schüttelte den Kopf. Seitdem gehen meine innere Stimme und ich jeden Tag friedlich zur Arbeit und freuen uns darüber, dass ich beruflich angekommen bin.

Aber man weiß ja nie, denn: et kütt, wie et kütt.

3 Kommentare zu “ Viele Wege führen nach Rom – Wo komme ich her, wo will ich hin? ”

  1. Martin

    Für mich ist der ständige Ruf nach „mehr Flexibilität“ in der Arbeitswelt sowieso ein Widerspruch zu der Frage „wo sehe ich mich in 10 Jahren“…

  2. ritman

    ja ich versteh dich.. befind mich gerade selber auf so einen findungstrip.. bin im 2. lehrjahr mediengestalter… bei mir sind nur die grafiken besser als die texte ;).. hoffe ich find was danach.. ich hab mein hobby sozusagen zum beruf gemacht.. drück mir die daumen :)

  3. kleindar

    sehr hübsch geschrieben…
    kann viele gedankengänge sehr gut nachvollziehen…

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