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Gaston de la Rédaction

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Anmerkung der Redaktion: Hier handelt es sich um einen Artikel des Gastredakteurs Carsten Jordt.

Mit 28 Jahren zu alt für die Ausbildung zum Mediengestalter? Ein Einstiegsalter von 30 Jahren deutlich zu hoch für dieses Berufsbild? Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich diese Behauptungen hier im Blog las.

Kurze Selbstzweifel kamen auf ? mich dürfte es eigentlich gar nicht geben!

Warum? Ich habe meine Ausbildung zum Mediengestalter im Alter von 34 Jahren begonnen und mit 36 Jahren abgeschlossen. Unmittelbar im Anschluß an die Ausbildung habe ich meinen Lehrbetrieb verlassen. Über ein reguläres Bewerbungsverfahren bin ich dann sofort zu einem anderen Arbeitgeber gewechselt.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Der späte Einstieg ? er klappt also doch! Nur stellt sich die Frage, warum bei mir alles so reibunglos verlief, während tausende andere (jüngere, billigere, ?kreativere?) Mediengestalter auf der Straße stehen. Habe ich einfach nur unverschämtes Glück gehabt? Bin ich die Ausnahme von der Regel? Oder liegt es vielleicht doch daran, dass ich mir eine spezielle Sichtweise auf mich und meinen Beruf gönne, diese offensiv nach außen vertrete und mir dadurch Chancen eröffne, die anderen verschlossen bleiben?

Die Vermutung, es habe sich nur um Glück gehandelt, will ich hier gleich ausschließen. Glück erfordert keine Anstrengung. Ich hingegen musste mich schon während der Ausbildung zur Decke strecken um die Anforderungen der Lehre, meine Familie mit zwei Kindern und meine selbstständige Tätigkeit als Kommunikationsberater (die ich parallel zur Ausbildung bestehen ließ um meine Familie ernähren zu können) unter einen Hut zu bekommen. Während die jüngeren Kollegen feierten oder in den Urlaub fuhren, saß ich fast immer bis in die Nacht am Schreibtisch und habe gelernt oder für den Lebensunterhalt gearbeitet. Glück ist etwas anderes!

Auch als Ausnahme von der Regel mag ich mich nicht sehen. Sowohl in meinem Ausbildungsbetrieb als auch in meiner jetzigen Firma saßen bzw. sitzen nicht nur die ganz ?jungen?.

Ja, ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass es meine Sichtweise auf mich und den Beruf ist, der mir den Einstieg auch in meinem Alter noch so problemlos ermöglicht hat. Der ?Jugendkult? in unserer Branche ist nur ein Hirngespinst, wirkungsvoll inszeniert von einigen wenigen Arbeitgebern, die in Wahrheit nur eines suchen: billige und willige Arbeitskräfte. Wer es schafft, sich diesem Ansinnen zu widersetzen und stattdessen mit eigenen Qualitäten punktet, der hat schon gewonnen. Egal wie alt er ist!

Dazu gehört zu allererst mal eine emotionslose und distanzierte Bewertung des Berufsbildes. Bei potentiellen Bewerbern geistern dabei immer wieder Schlagworte durch den Raum:
??Trendberuf? ? Quatsch! Der Trend von heute ist der Kompost von morgen!
? ?Agentur? ? Scheißegal wo Du arbeitest, solange Du Deine Arbeit gut machst!
??Kreativität? ? Verstanden als künstlerische Ausdrucksfähigkeit. Ich sage: Wer Kunst will soll in?s Museum gehen.

Die primäre Kreativität des Mediengestalters ist die kreative Problemlösungskompetenz für das Kommunikationsproblem seines Kunden! Erst wenn diese Nuß geknackt ist, gewinnt die tatsächliche Gestaltung eines geeigneten Mediums an Relevanz. Diese simple Einsicht fehlt aber bei der Mehrzahl der (Ausbildungsplatz-)Bewerber. Auch wenn es niemand zugeben wird: Der Großteil der Mediengestalter (oder der an diesem Beruf interessierten) lechzt doch innerlich nach dem Gefühl den Trend zu reiten, in die ?hippe? Agenturszene einzudringen oder sich künstlerisch selbst verwirklichen zu können. Man muß sich ja nur mal die ganzen überkandidelten Bewerbungsmappen anschauen. Da sieht man zu 99 Prozent viel Design, aber wenig Kommunikationskompetenz. Das sind die ersten, die wieder auf dem Postausgangsstapel landen: ?Mit den besten Wünschen für Ihre berufliche Zukunft??

In einem etwas höherem Alter fällt es einem leichter, solchen vermeintlichen Verlockungen zu widerstehen. Gleichzeitig bringt man als entscheidendes ?Plus? die besagte Problemlösungskompetenz mit ? allein schon aufgrund der höheren Lebenserfahrung.
Welcher gestandene 55jährige Mittelständler lässt sich denn schon gerne von einem 25jährigen erzählen, was er in seiner Außendarstellung bisher alles falsch gemacht hat? Einem 35- oder 40jährigem nimmt er das schon eher ab!

Und genau das ist mein Credo: Auch wenn ich ausgebildeter Mediengestalter bin wie die jüngeren Kollegen, auch wenn auf meiner Visitenkarte ?Grafikdesigner? steht ? in Wahrheit bin ich Kommunikationsgestalter. Denn noch viel wichtiger als das Design ist die Kommunikation, die es hervorruft. Ein Design ist nicht dann gut, wenn es gut aussieht, sondern nur dann, wenn es das Kommunikationsproblem des Auftraggebers löst.

Mit diesem Anspruch ?verkaufe? ich mich und meine Leistung. Und das offensichtlich erfolgreich! Denn trotz meines Alters habe ich mich gegen bundesweit 480 Mitbewerber durchgesetzt und werde (obwohl für eine nicht tarifgebundene Agentur tätig) deutlich übertariflich bezahlt. Herz, was willst Du mehr?

In diesem Sinne kann ich meinen Altersgenossen nur raten: Nicht unterkriegen lassen und gerade mit den altersspezifischen Skills punkten. Dann klappt?s auch in der jugendverliebten Gestaltungsbranche!

Geschrieben von:

Carsten Jordt
Ist Jahrgang 1968, verheiratet und Vater von 2 Kindern. Nach einem juristischen Grundstudium wechselte er als Kommunikations- und PR-Berater zum Landtag Nordrhein-Westfalen. 1999 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit mit Auftraggebern aus den Bereichen Banken, Versicherungen und Werbeagenturen. Über einen Werbeagenturkontakt sattelte er dann noch eine Ausbildung zum Mediengestalter obenauf. Heute arbeitet er als Grafikdesigner für die ieQ-systems AG, die mit über 1000 Mandanten bundesweit führende Werbeagentur für das Handwerk.

3 Kommentare zu “ Mit 28 Jahren zu alt für die Ausbildung zum Mediengestalter? Nein! ”

  1. Maren Woker

    Ich finde es immer wieder interessant, über den Werdegang anderer zu lesen. Das zeigt doch auch, wie vielseitig der Ausbildungsberuf „Mediengestalter“ ist oder zumindest sein kann. Du hast dich eben immer schon nicht als den „typischen“ MG gesehen, sondern die Chance ergriffen, dem, was du eh schon kannst, eine Ausbildung draufzusetzen.
    Bei so einer Denkweise ist es nur gut und richtig, dass du es auch in „späteren Jahren“ noch geschafft hast. Denn gerade dieses Denken

    Der ?Jugendkult? in unserer Branche ist nur ein Hirngespinst, wirkungsvoll inszeniert von einigen wenigen Arbeitgebern, die in Wahrheit nur eines suchen: billige und willige Arbeitskräfte.“

    ist hier doch weit verbreitet. Ich finde es bewundernswert, wie du das alles gemeistert hast.

    Kommentar editiert und den nachfolgenden gelöscht. Valentin

  2. alexej

    ich wolllte mich für dein ausführlichen text bedanken. hat mir sehr viel mut gemacht.danke

  3. Stefanie

    Schön zu hören dass es auch im „höheren“ alter klappt, wobei ich 36 jetzt nicht zu den höheren Altern zählen würde, besonders wenn man als 22 Jährige immer wieder hört dass man zu alt ist oder unrealistische Vorstellungen hat mit einer guten Fachoberschulreife.
    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

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