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Valentin Tomaschek

Nach der Mediengestalter-Ausbildung (Fachrichtung Print) hat Valentin Tomaschek knapp drei Jahre in Dublin gelebt. Zuerst als Koordinator bei HP und später bei Novell. Wieder zurück in Deutschland arbeitet er teilweise für ein Landesparlament und teilweise selbstständig im Internet-Bereich.

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UmschulungLetzte Woche bekamen wir per E-Mail eine Frage zum Thema Umschulung. Konkret ging es um eine 28jährige, die BWL studiert hat und in diesem Bereich auch einen gut bezahlten Job ausübt. Da sie aber gemerkt hat, dass Geld nicht alles ist, überlegt sie eine Ausbildung zur Mediengestalterin zu beginnen. Leider bekam sie scheinbar schon die ersten Berwerbungen, bzw. die Absagen dazu zurück. Ich möchte dazu mal meine eigene persönliche Einschätzung zu abgeben.

Ich will hier nicht die grundsätzliche Diskussion um den Beruf Mediengestalter aufmachen, nur soviel: Es ist nicht der super duper wahnsinns kreative Beruf wie sich manche vorstellen. Die deutliche Mehrheit der Mediengestalter sind die sprichwörtliche ?eierlegende Wollmilchsau?. Das heisst, Tag ein, Tag aus Layouts umsetzen, stumpfe Fabkorrekturen ausführen, webbasierende Newsletter erstellen etc… Der MG ist nun mal kein Grafik-Designer. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, doch um solch eine Ausnahme zu werden, bedarf es ein hartes Stück Arbeit, viel Glück und auch ein gewisses Talent. Es ist definitiv kein Beruf, in dem man sich selbst verwirklichen kann! Auch wenn er eine gehörige Portion Selbstaufgabe fordert, da man sicher sein kann, dass man wenig verdient, mehr als 40 Stunden die Woche arbeitet und dies meist auch ohne Extra-Vergütung. Hinzu kommt, dass man auch in seiner wenigen Freizeit sich weiterbilden muss.

UmschulungDas stellt sich in diesem Falle halt die Frage, ob es sich wirklich lohnt einen gut bezahlten Job aufzugeben, indem man vielleicht nicht ganz glücklich ist, aber trotzdem gut über dir Runden kommt. Kriegt man so einfach eigentlich eine Umschulung oder Ausbildungsstelle in dem eigentlich noch jungen Alter? Es hört sich lächerlich an, aber: Nein, mit 28 Jahren ist der Zug schon fast abgefahren. In vielen Agenturen wird nicht gerade verheimlicht, dass diese nur noch junge Leute unter 25 Jahren für eine Ausbildung einstellen. Auch für einen ausgelernten Mediengestalter ist als Einstiegsalter, dann 30 Jahre, deutlich zu hoch. Zumal viele Firmen direkt auch noch einige Jahre Berufserfahrung, oder zumindest ein Praktikum als Voraussetzung fordern. Sollte man die Bewerbungshürde meistern und tatsächlich einen Ausbildungs- oder Umschulungsplatz ergattern stellt sich die Frage, wie man das finanziert. Mit 28 Jahren hat man sicherlich andere finanzielle Verpflichtungen und auch Ansprüche wie jemand mit 18 Jahren.

UmschulungNur ein Bruchteil der Firmen zahlen noch nach Tarif, Ausbildungsvergütungen unter 400 Euro sind eher die Regeln als die Ausnahme. Wenn dann nach der Ausbildung noch ein Praktikum absolviert werden muss, bedeutet das ca. drei Jahre am Rande des Existenzminimums. Während der Ausbildung wird dann schnell deutlich, dass man mit dem vermittelten Stoff während der Arbeit oder auch in der Berufsschule keinen sehr guten Abschluss erreichen wird. Da heisst es Freizeit und Freunde opfern! Bis spät in die Nacht muss man sich selbst Kenntnisse aneigenen, die tagsüber auf der Strecke bleiben. Auch wenn der Beruf in bestimmte Fachbereiche untergliedert ist, sollte man die anderen nicht aus den Augen verlieren. Zu wichtig ist das häufige Zusammenspiel derer. Auch als Printler sollte man gewisse Grundkenntnisse im Non-Printbereich beherrschen. Und dies beschränkt sich wohlgemerkt nicht nur auf die Zeit der Ausbildung!

Einige denken daran, sich da schnell mal selbstständig zu machen. Da hat man mit einem BWL-Studium zumindest schonmal das kaufmännische Vorwissen, ist also im klaren Vorteil zu den vielen anderen die nicht wissen, was die Selbstständigkeit wirklich bedeutet. Wer sich hierüber Gedanken macht, sollte sich einmal den Artikel von Manuel durchlesen und wird erkennen dass sein eigener Chef sein mehr bedeutet als nur einen Computer Zuhause stehen zu haben.

UmschulungFazit: Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied. So auch bei den Mediengestaltern! Wer sich wirklich reinhängt und diesen Job definitiv als seinen Beruf anssieht, kann es schaffen! Doch nur aus dem Hirngespinst mal eben den Beruf zuwechseln, weil dieser einen nicht mehr ausfüllt und nicht kreativ ist, wird irgendwann bei den Niedrigauktionsseiten auftauchen und Logos und Websites für einen Euro anbieten. Geld ist zwar nicht alles, aber oftmals die Existenz.


Kategorie: Bildung
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6 Kommentare zu “ 28 Jahre – zu alt für die Ausbildung? ”

  1. Maren Woker

    „Geld ist zwar nicht alles, aber oftmals die Existenz.“
    Wie wahr, wie wahr. Was nützt einem der schönste Job, wenn man sich nicht mal trocken Brot leisten kann.

  2. Matthias J. Korth

    Dennoch, wenn jemand bereit ist sein ganzes bisheriges Leben für seinen Traum aufzugeben so möge er es tun. Ich bin inzwischen auch schon weit über die 25, und eben erst fertig geworden mit der Ausbildung, aber froh mich für den Job entschieden zu haben. Etwas anderes als Mediengestalter könnte und will ich mir im Moment gar nicht vorstellen.

  3. Arne Kocher

    Sehr schöner Artikel Valentin. Wobei ich denke, dass immer nur eine sehr geringe Mitarbeiterzahl dieses enorme Wissen aufbringt. Die anderen ?profitieren nur? noch davon. Wahrscheinlich ist das aber überall so?

  4. typoflori

    […] Aus aktuellem Anlass […]

  5. Azila

    Da spricht mir einer aus der Seele. Die Vorstellung die andere Leute von unserem Beruf haben sind wirklich meist sehr difus-was zur Folge hat dass man alles können muss-oder eben dasteht als der Unflexible. Als Schreiner ist man eben nicht unbedingt Zimmermann. Mit 25 jahren war ich auch fertig- das war die oberste Grenze, ich hatte aber vorher etwas Ähnliches gemacht, somit war meine Ausbildung konsequent „kreativ“. Dass man als Mediengestalter aber eher den Mist anderer Leute gestaltet als selber schöpferisch tätig zu werden ist immer noch nicht weitreichend bekannt.

  6. Stephan

    Das sehe ich weitestgehend anders.
    Ich habe selber erst mit 35 umgeschult, und zwar die Fachrichtung Design. Ich bin jetzt seit 1 Jahr selbständig und komme allerbestens über die Runden. Und was mir da an angeblich gestandenen Profis mit mehrjähriger Berufserfahrung untergekommen ist, ist wirklich unter aller Kanone, sowohl was die technischen Fertigkeiten als auch das Gestalterische anbelangt. Gruselig.
    Wenn man als MG was erreichen will, muss man eben Gas geben und die Bereitschaft, ständig weiterzulernen mitbringen. Was man daraus macht hat man in der eigenen Hand!

    Und als ehemaliger Tischler möchte ich auch Azila noch einmal Wiedersprechen:
    Als Tischler sollte man sehr wohl auch Zimmermann sein. Oder man ist bestenfalls Durchschnitt.
    Aber das ganze spiegelt doch recht deutlich die Situation in Deutschland wieder: Lieber klagen und sich über dieses und jenes beschweren, anstatt anzupacken und das beste draus zu machen…

    Und das BWL-Studium lässt sich mit Sicherheit auch mit der Ausbildung zum MG vorteilhaft kombinieren.

    Hasenfüße…

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