Redakteur

Florian Knörl

<img src='http://www.mediengestalter-blog.de/wp-content/upload/florian_knoerl.jpg' alt='Florian Knörl' /></p> <p>Florian arbeitet in einer vollstufig ausgelegten Druckerei als Medien- gestalter, Fachrichtung Printmedien. Zu seinem Hauptaufgabenbereich gehört der Satz und die Herstellung von Verlags- werken, die Überwachung und Optimierung eines PDF- und Colormanagement- Workflows sowie die technische Betreuung der Vorstufe. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Fotografie und Buchkunst. <h2>Mitgliedschaften</h2> <p>? <a href="http://www.mediengestalter.info">Mediengestalter-Forum</a> <h2>Links</h2> <p>? <a href="http://www.typoflori.de">Ein Geviert kommt selten allein-Blog</a>

Infos & Kontakt

Alle Beiträge

E-Mail senden

Website besuchen

ICQ

290106_Zeiss.jpg In fast jeder Publikation, egal ob nun ein Dreizeiler in einem Blog oder einem Fachartikel über ganz interessante Themen erscheinen Fotografien. Das tägliche Brot des Gestalters, mehr oder weniger. Nur wo bekommt man solche Bilder her? Klar, vom Kunden. Naja, je nach Kunden eher weniger. In diesem Fall gibt es ja genug Bilderdienste. Für jeden ist etwas dabei, teuer, günstig oder sogar kostenlos, nur da steht man auch wieder vor dem Problem, das eigentlich genau das gesuchte Bild nie dabei ist. Warum also nicht selber fotografieren? Zuerst müsste man sich eine Kamera anschaffen ? und die nächsten drei Artikel sollen helfen, diese Kaufentscheidung zu treffen. Hier dreht sich alles erst einmal um die Kompaktkamera.

Grundlegende Vorüberlegungen
Die wichtigste Frage ist nicht, welcher Hersteller gerade der Beste sein soll, sondern was ich mit meiner Kamera machen will. Die Spanne reicht von kleine Fotos fürs eigene Blog schießen über Fotos bis zum Format 13 x 18 cm in die Druckerei liefern bis zu ?alles, was gerade technisch möglich ist?. Und je nach gewähltem Kameramodell sind noch Updateoptionen da, egal ob es jetzt Blitzlicht, andere Brennweiten oder z. B. eine stärkere Stromversorgung sein darf.
Nicht jeder Kameratyp ist für jede Situation geeignet, aber auch nicht jeder Kameratyp kann immer und überall dabei sein. Genauso geht es mit den Kosten. Bei einer Kompakten habe ich gut überschaubare Kosten, bei einer Spiegelreflexausrüstung brauche ich so gesehen für jeden Mehrwert ein neues Zubehörteil, was den Grundpreis schnell unberechenbar macht.

AgfaOptima Was gibt es denn eigentlich?
Die Kategorien ergeben sich schnell: Die Kompakte (Preisbereich von 5 bis etwa 400 Euro), die Bridge-Kamera bzw. semiprofessionelle Kompakte (Preisbereich von 350 bis etwa 700 Euro) und die digitale Spiegelreflexkamera (Preisbereich ab 600 Euro, keine Obergrenze). Natürlich gibt es immer wieder Sonderfälle, die von obiger Beschreibung abweichen, wie z. B. digitale Messsucherkameras, die Preise sollen also den Bereich nur grob umreißen. Nun aber mal näher zu den jeweiligen Vor- und Nachteilen dieser Gruppen.

Die Kompakte
Eine wunderbare Erfindung. Gab es zwar schon vor dem Digitalboom, aber so richtig ernstgenommen wurden nur wenige spezielle Modelle, z. B. Messsucherkameras (eine Abart der Kompaktkamera, mit Scharfstellung durch Entfernungsmesser und eingespiegeltem Bildteil, sehr aufwändig und ein wenig gewöhnungsbedürftig, allerdings wunderbare Werkzeuge für die Reportagefotografie). Zu Analogzeiten war eine Kamera erst eine Kamera, wenn man mindestens zwei Objektive und eine große Tasche mit dem jeweiligen Markennamen hatte. Gut, das mit dem Markennamen wird heute noch schlimmer praktiziert, aber das ist eine andere Geschichte.
- Die digitale Kompakte ist die geheime ?eierlegende Wollmilchsau? unter den Kameras. Sie kann gute Fotos machen und ist gleichzeitig so klein, dass sie in der Hemdtasche (oder in der kleinen Handtasche) verschwindet.
- Eine Makrofunktion findet sich genauso wie Panorama-, Nacht- oder Actionprogramme. Über den Sinn oder die Qualität dieser Programme lässt sich streiten, allerdings bieten sie dem absoluten Einsteiger die Möglichkeit, wenigstens in etwa die passenden Einstellungen für ihr gewolltes Motiv zu erledigen.
- Im Gegensatz zu Spiegelreflexkameras können Kompakte auch Videosequenzen aufnehmen. Je nach Kameramodell eine nette Spielerei oder sogar eine ganz praktikable Funktion.
- Die Bedienung ist ebenfalls meistens gut gelöst, so sollte jeder recht flott mit der Kamera zurechtkommen.
- Durch die ?Wunschlos-Glücklich?-Ausstattung ist der Preis sehr gut kalkulierbar. Man benötigt höchstens noch einen zweiten Akkusatz und mehr Speichermedien. Vielleicht noch ein Stativ, dass aber auch aufgrund des geringen Gewichts der Kamera eher günstig ausfallen kann.

50erPentax Portabilität, Bedienung und der allgemeine Funktionsumfang sind gut bei Kompaktkameras. Nun aber mal zu den Nachteilen, die Hauptsächlich im Bereich Geschwindigkeit, manuelle Einstellungsmöglichkeiten, nachträglicher Eingriff in Einstellungen, Systemausbau und Bildqualität zu finden sind.

- Geschwindigkeiten gibt es viele. Die Einschaltgeschwindigkeit (wann kann ich nach dem Drücken des ?On?-Knopfes ein Bild machen), die Fokussiergeschwindigkeit (wie schnell wird scharf gestellt), die Auslöseverzögerung (wie lange dauert es nach dem Fokussieren, bis ein Bild aufgenommen wird) und die Speichergeschwindigkeit (wie schnell wird gespeichert). Ein Sonderfall dazu ist noch die Serienbildgeschwindigkeit, also wie viele Bilder hintereinander können aufgenommen werden, bis der Pufferspeicher voll ist und die Kamera blockiert.
Diese Geschwindigkeiten sind bei Kompaktkameras im Bereich erbärmlich bis gut, ausschlaggebend dafür ist der Preis. Und eben wieder der eigene Anspruch ? was will ich wie schnell erledigt haben? Sind mir schnelle Serienbilder und eine geringe Auslöseverzögerung wirklich so wichtig? Genauso sind ein paar Gemeinheiten versteckt, wie z. B. schneller Fokus muss nicht passender Fokus bedeuten.
Es gibt verschiedene Arten der automatischen Scharfstellung, und auch Möglichkeiten, den gefundenen Fokuspunkt zu verifizieren. Nicht jeder Hersteller macht das (irgendwas mit C), und so kommt es schon mal zu gewissen Fokusproblemen. Andere wiederum sind etwas langsam aber dafür verifizieren sie den Punkt ausgiebig (irgendwas mit P), was dem Sportfotografen aber jetzt auch nicht viel bringt, wenn er genau auf die Stelle scharf gestellt hat, an der der Handballspieler mal gestanden hat.
- Manuelle Einstellmöglichkeiten sucht man oft nach einer gewissen Einarbeitungszeit. Je nach Kameratyp gibt es die bekannten Zeit- bzw. Blendenautomatiken, eine Vollautomatik und mit ein wenig Glück auch eine vollmanuelle Einstellung. Nur nicht jede Kamera bietet volle Blendensteuerung ? einige Kameras haben nur eine begrenzte Anzahl an Springblendenstufen. So wird es von vornherein schwer, mit Tiefenschärfe oder ähnlichem zu arbeiten. Erst im semiprofessionellen Bereich werden die manuellen Einstellungen komplett.
- Das nachträgliche Eingreifen in die Kameraeinstellung (Shifting, Hyper-Manual etc.) ist auch eher selten im Kompaktbereich anzutreffen. Diese Shifting-Funktion ist dafür gedacht, die von der Kamera gewählte Blenden/Zeitkombination nochmals manuell korrigieren, um je nach belieben mit Tiefenschärfe oder Verwischen zu arbeiten.
- Der Systemausbau ist recht schwierig. Es gibt zwar Weitwinkel- und Telekonverter bzw. Vorsatzlinsen für Kompaktkameras genauso wie Zusatzblitze, allerdings ist die Qualität und Praktikabilität nicht gerade sehr hoch. Das ist einfach die grundlegende Schwäche der Kompakten ? klein, aber wenig Erweiterungsmöglichkeiten.
- Zu guter letzt der eigentlich wichtigste Grund zur Kaufentscheidung ? die Bildqualität. Diese schwankt im Kompaktbereich am stärksten. Die Megapixelzahl sagt alleine wirklich nichts über die Qualität der Bilder im Nachhinein aus ? sie bestimmt nur die Pixelanzahl der Enddatei. Ein gutes Bild wird von einem guten Objektiv, einem rauscharmen Chip und einer vernünftigen Kameraelektronik erzeugt. Und natürlich vom Fotografen. Hauptmerkmale für eine gute Kompakte sind immer noch optischer Zoom (digital kann z. B. Photoshop besser), ein Chip der einigermaßen rauscharm arbeitet (was in der Klasse aber wirklich schwierig wird) und eine gute Optik, die weder zu viele Abbildungsfehler besitzt noch eine zu geringe Lichtstärke (die Anfangslichtstärken werden oft für beide Zoombereiche angegeben, so z. B. Blende 3,5 ? 5,6 -> im WW-Bereich 3,5 im Tele-Bereich 5,6).
- Weitere Einschränkungen sind zum Teil technisch bedingt. Durch den sehr kleinen Chip ist es mit einer kleinen Digitalkamera schwer, mit der Tiefenschärfe zu spielen. So ist zwar die Gefahr des unscharfen Teilgesichtes nicht gegeben, aber der Hintergrund, der beim Portrait eigentlich unscharf sein sollte wird scharf abgebildet.
- Die letzten Probleme sind bei der internen Nachbearbeitung der Kamera zu finden. Die Kamerasoftware versucht in den Standardeinstellungen ein sehr ?hübsches? Bild zu saubern und schärft deshalb stark nach. Auch Kontrast und Farbsättigung werden angehoben, um die oft beworbene ?Direct Print?-Funktionalität zu verbessern. Es stimmt zwar, dass die dann direkt gedruckten Fotos für einen Schnappschuss ausreichen, zur Weiterbearbeitung in einer Bildbearbeitungssoftware sollte man allerdings die Kamera so neutral wie möglich stellen (falls es denn geht).

ChromatischeAberration

Der Farbsaum im obigen Bild wird chromatische Aberration genannt. Ein häufiger und sehr nervtötender Fehler im digitalen Bereich, da dieser Farbsaum nicht so einfach zu korrigieren ist. Der Fehler entsteht durch die Eigenschaft des Glases, unterschiedliche Farben (Frequenzen) unterschiedlich stark zu brechen. So rückt der Fokuspunkt der Farbe Violett näher an die Linse und die Farbe wird „unscharf“.

DistorsionAbschattung

Ein klassisches Beispiel für Distorsion (Verzeichnung), Schärfeabfall am Rand und Randabschattung (Vignettierung). Gerade im WW-Bereich können diese Bildfehler auftreten und sehr störend wirken.

Soweit zu den Kompakten. Als Fazit kann man eigentlich sagen, jeder, der die Kamera immer und in jeder erdenklichen Situation dabeihaben will (es gibt von einigen Herstellern Kompakte mit Spritzwasserschutz bzw. geringer Tauchtiefe, für andere Modelle einfach zum Unterwassergehäuse greifen) sollte zur Kompakten greifen. Das Zubehör ist günstig und überschaubar, und für einfachere Printproduktionen reicht die Qualität mittlerweile aus. Wer dann mehr Freude an der Fotografie gefunden hat und langsam aufsteigen will, kann sich in Richtung Bridge oder DSLR umsehen ? mehr dazu im nächsten Artikel.

6 Kommentare zu “ Nur noch schnell ein Foto ? Teil 1 ”

  1. Kev

    Schöner Artikel..
    Das mit der „chromatische Aberration“ kenne ich… klar liegts an den Einstellungen der Kamera, aber wie kann man sowas eigentlich glücklich und schnell umgehen?
    Denn man hat ja leider nich immer soviel Zeit um an der Kamera lang rum zu frickeln. ;-)

  2. Florian Knörl

    Das mit der Vermeidung der chromatischen Aberration ist eigentlich ganz einfach – wie so viele Linsenfehler werden sie durch Abblenden, also durch das Schließen der eingebauten Blende besser. So werden die Randbereiche des Objektivs, in dem die meisten Fehler entstehen, nicht mehr genutzt und die CAs werden weniger. Geht aber leider nicht bei jeder Kompakten, wie schon kurz angeschnitten, da nicht jedes Objektiv eine vollwertige Irisblende sondern öfters nur einfache Springblenden mit wenig Stufen besitzen.

    Viele Grüße
    Florian

  3. Maren Woker

    Da ich mir unbedingt eine neue Kamera zulegen möchte und angesichts der Informationsflut ziemlich überfordert bin, haben mir diese grundsätzlichen Überlegungen schon mal etwas weitergeholfen. Danke!

  4. Klavier

    Am besten ist wohl zum Fotografen zu gehen, dann bleibt unser Beruf unserer und eurer, eurer. Von vielen Fotografen wird z.b heutzutage schon verlangt die Aufgaben eines Mediengestalters zu übernehmen und das Resultat sind leider nicht unerhebliche Qualitätsverluste und eine Verschmelzung der Berufe. Um richtig Fotografieren zu können bedarf es weit mehr als einer Kompaktkamera und Internetwissen. Genauso wie beim Mediengestalten wahrscheinlich auch mehr als Photoshop Grundkenntnise vonnöten sind. Ich hab mit den Text nicht komplett durchgelesen bin aber trotzdem der Meinung, dass ein Foto nicht mal „eben so“ gemacht sein kann. Ein gutes Werbefoto nimmt ca. 1-2 Stunden in Anspruch wenn es sich um eine reine Sachaufnahme eines Objektes handelt. Alles andere könnt ihr euch ja dann denken. Steckt das Geld was für eine „Fotoausrüstung“ benötigt werden würde lieber in Investitionen die euch helfen in euren Berufsstand besser zu werden um aus der Masse heraus zu stechen. Denn Mediengestalter gibt es leider genauso wie Fotografen wie Sand am Meer.

    Edit: Hab den Text eben nochmal durchgelesen. Für ernsthafte Fotografien im Werbebereich braucht es leider mehr als eine Kompaktkamera oder eine Digitale SLR, selbst wenn viele Fotografen heute selber mit 12 MP DSLRs arbeiten ist das kein Qualitätsargument da viele Mittelformat und alle Fachkameras immer noch qualitativ besser sind, ob Analog oder mit Digitalem Rückteil. ( Für den Amateur unbezahlbar..)

  5. Florian Knörl

    Hallo Klavier, und Danke für deinen Kommentar, auch wenn ich nicht ganz deiner Meinung bin. Natürlich gibt es zwei verschiedene Berufe, allerdings darf man da nicht zu arg trennen. Sowohl Mediengestalter wie auch Fotografen schwimmen schon längere Zeit im anderen Schwimmbecken, und sie müssen es auch. Und du sagst es ja selber – ordentliche Produktfotografie benötigt eben Können und Erfahrung. Also wird dir kein schlechter Mediengestalter die Kunden abgraben, solange der Kunde auf Qualität Wert legt.

    Wo ich allerdings mein Geld investiere, muss mir und auch meinen Kollegen überlassen werden. Du kannst nicht abschlagen, dass man mit einer normalen Investition schon durchaus gute Bilder machen kann, ob nun für sich privat oder auch mal für verschiedene Aufträge – warum auch nicht? Und das Geld in unseren Berufsstand stecken… es ist wie beim Fotografen: Das Werkzeug ist wichtig, aber nicht entscheidend.

    Die Mittelformat- und Fachkameratheorie ist mehr oder minder wahr. Wir wollen jetzt nicht von Objektivauflösungen, Scanmöglichkeiten und ähnlichem reden, aber da ja der Mediengestalter im Prinzip die Qualität entscheidet, und zwischen digital und Ektrachrome wählen kann, isses wieder auf der Seite des MGs, ob nun die 12 Megapixel gewählt werden, die ich sofort haben kann oder eben das Dia, das mich einiges an Zeit kosten wird. Eine Frage der Zeit, des Budgets und des späteren Anspruches.

    Mein Text geht ja in dieselbe Richtung – die Auflösung der Kamera wird bei mir auch eher in den Hintergrund gestellt… wichtig ist das Gesamtkonzept der Kamera, und das Können des Fotografierenden (ob nun Fotograf oder nicht).

    Der Mediengestalter hat selbst schon genug Konkurrenz, und wird sicherlich nicht dem Fotografen seine angestammten Reviere streitig machen – die Überschrift soll ja auch nur bedeuten, das man jetzt noch schnell ein Bild braucht, nicht macht. Ich arbeite sehr oft mit Fotografen zusammen, egal ob nun digital oder analog fotografierend… fast jeder Mediengestalter wird einfach einen Fotografen holen, wenn er einen braucht. Und andersherum sicherlich ebenso.

    Viele Grüße
    Florian

  6. Klavier

    Okay, dem kann ich mich nur anschließen. Wollte dem halt nur entgegenkommen, so dass von vornherein etwas mehr über´s thema nachgedacht wird. Schöne Diskussion, Schöner Blog. Gut, zu wissen, dass es noch eigeninitativen gibt der Fortbildung wegen. Ich denke, dass man heute echt gut sein muss um sich im Beruf über Wasser zu halten, vll. ist dieser Blog ja ein Ansatz dafür.
    Grüße.

Kommentar schreiben.

XHTML: Folgende Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


WordPress Theme von Jessika Schmitt und Matthias J. Korth