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Maren Mischke

…lebt und arbeitet im schönen Düsseldorf am Rhein.

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Werbung„Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Dass an dieser Weisheit was wahres dran ist, bezweifelt normalerweise keiner. Dass sie aber auch auf die, ach, so schillernde Werbewelt zutreffen könnte, das wird gerne vergessen. Besonders von Berufsanfängern. Die Werbung, das ist das Land, wo Milch und Honig fließt. Wo man superflexible Arbeitszeiten hat (wenn man überhaupt mal ab und an im Büro ist und nicht gerade dort noch schwerwiegende Probleme mit seiner besten Freundin/seinen Kindern/seinen Liebsten oder wem auch immer ausdiskutiert), viel Geld verdient, immer sensationelle Aufgaben hat und auch jeden Tag aussieht, wie aus dem Ei gepellt. Letzteres ist allerdings kein Kunststück, denn man sieht ja sowieso super aus.
Man mag ja denken „och bitte, also diese Leute, die das Leben in einer Seifenoper für bare Münze nehmen, denen ist eh nicht mehr zu helfen“. Jedoch ist das Klischee des Arbeitsalltages eines in einer Werbeagentur Schaffenden eng mit dem Bild, was uns durch Serien wie „GZSZ“ gemalt wird, verbunden. Deswegen möchte ich hier mal mit ein paar Klischees aufräumen, denn viele junge Leute ergreifen diesen Beruf und stellen fest, dass alles ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt haben.

Klischee Nr. 1: Man hat komische Arbeitszeiten und alle Zeit der Welt.
Erst neulich erwähnt ich in einem Gespräch, dass ich morgens oft keine Zeit und Lust hätte, dies und jenes zu machen, weil ich nicht noch früher aufstehen möchte, als nötig. Das „noch früher“ erntete Gelächter und ein ?aber du musst doch erst spät zur Arbeit, ist doch außerdem egal, wann du kommst?. Ich war ein wenig irritiert und wies darauf hin, dass es sich dabei wohl um ein Gerücht handele. Schließlich muss ich jeden Morgen um neun Uhr auf der Matte stehen. Wie übrigens die meisten Werbefuzzies, die ich kenne. Ebenso habe ich nur eine ganz normale Mittagspause. Da ist nichts mit zwischendurch noch nett shoppen gehen oder in einem trendigen Szenelokal was essen und dabei mit einer Freundin/Bekannten/Erzfeindin/Kundin tratschen und nachher noch mal entspannt zum Frisör. Da ist hartes Arbeiten angesagt. Viele Leute machen noch nicht einmal eine Pause und arbeiten durch. Kein Scherz! Und trotzdem hängt man da oft bis tief in die Nacht.

Klischee Nr. 2: Man verdient viel Geld.
Eine glatte Lüge. Natürlich KANN man viel Geld verdienen, aber die meisten verdienen wenig. Und wenn man dann noch mal überlegt, dass die vielen Überstunden nicht bezahlt bekommt und anschließend einen durchschnittlichen Stundenlohn ausrechnet? Hui, das dürfte viele in eine tiefe Depression stürzen.

Klischee Nr. 3: Nach einem langen erfolgreichen Arbeitstag trifft man sich in Szenebars oder hottet in einem hippen Club ab.
Mal ganz davon abgesehen, dass ICH nach der Arbeit meist zu müde für sowas bin, stellt sich mir da folgende Frage: wen soll man denn da treffen? Freunde? Die, die man nie zu Gesicht bekommt, weil man immer arbeitet?
Ach ja, da kommen wir gleich zum nächsten Punkt:

Klischee Nr. 4: Wir sind alle eine große Familie.
Klar, weil wir alle Brüder und Schwestern sind. Ich kenne auch jeden, wirklich jeden aus der Branche. Natürlich begrüßen wir uns alle mit Küsschen. Also ehrlich, Vorstellungen haben manche?

Klischee Nr. 5: Man trägt gern schwarz und vor allem eine schwarze Hornbrille.
Ich sag mal so: früher traf das vielleicht zu. Inzwischen erkennt man die ganzen Möchtegerns an diesem Look. Obwohl, eigentlich ist das nicht korrekt. Dieser Trend hält sich enorm hartnäckig. Irgendwie sind doch viel zu viele immer noch total individuell ? oder das, was sie dafür halten. Aber es gibt sie tatsächlich, die ?Normalos?.

Klischee Nr. 6: *tadatatataaaaaaaa* – Ich liebe es!
Gleich zwei Klischees in einem. Ja, die meisten lieben ihren Job tatsächlich, sonst wären sie schon längst aus dem Fenster gesprungen. Nein, große Kunden wie McDonald?s oder Coca Cola betreuen die wenigsten. Oder aber man arbeitet zwar für große Kunden, aber als einer von vielen.
Hier in Düsseldorf arbeiten zum Beispiel viele für Henkel. Henkel stellt aber unzählige Produkte her, unter anderem aus den Bereichen Waschmittel, Shampoo, Kleber, Kosmetik. Wenn man zum Beispiel die Marke „Persil“ betrachtet, dann gibt es dann schon viele Felder: Verpackung, Printwerbung, Fernsehwerbung, Radiowerbung, Online-Auftritt, Sponsoring-Einblenden à la „Diese Sendung wird Ihnen präsentiert von?…“, Aufsteller im Geschäft etc. – um nur eine grobe Aufteilung zu machen. Das macht natürlich nicht alles dieselbe Firma, sondern eine ganze Reihe von Agenturen. Wobei die einen den Online-Auftritt vielleicht planen, die anderen umsetzen und die anderen die Bilder zuliefern. Ihr seht schon, auch die haben ihre Tätigkeitsbereiche untereinander in so einem undurchschaubaren Netz verwoben, dass ich schlichtweg damit überfordert wäre, das weiter zu beleuchten.
Wer also in einer Agentur arbeitet, die Persil als Kunden hat, wird nicht bei jedem ihrer Werbeprodukte sagen können „da hatte ich meine Finger mit im Spiel“.

Klischee Nr. 7: Egal, ob man durch die Straßen geht, durch die Fernsehlandschaft zappt, eine Zeitschrift aufschlägt, etc.: man sieht etwas, dass man geschaffen hat.
Ja, das ist eine heikle Sache. Wie oft bin ich schon gefragt worden „Und, was sieht man denn grad so von dir?“ Gar nichts sieht man. Oft arbeitet der gemeine Mediengestalter still und heimlich. Natürlich kann man meist was sehen: die Webseite von Klempner Meier, die Broschüre der Kindertagesstätte um die Ecke, die neuen Flyer vom Jugendheim und dergleichen. Ferner das Layout des tollen neuen Lernbuches für Immigranten-Kinder, die Essigreiniger-Flasche ausm Aldi, das Weinetikett von Lidl, der neue Bauchweg-Trainer von Tchibo, der neue Supermarktprospekt oder auch das Cover des neuen Albums von Britney Spears. Oder, oder, oder?.
Es gibt so viele Tätigkeitsfelder, in denen gestaltet wird, ohne dass man es bewusst wahrnimmt. Und solche, die nicht ernst genommen werden. Wie eben das neue Design einer Taschentuch-Packung oder das tolle neue Layout eines Fachbuchs über ein Thema, unter dem sich die meisten nicht einmal etwas vorstellen können.
Viele Freunde und Verwandte sind enttäuscht, wenn sie hören, dass man nichts „spektakuläres“ vorweisen kann. Aber was ist schon „spektakulär“? Genau, Ansichtssache. Nichts weiter.

Natürlich gibt es noch zig weitere Klischees. Aber auch nur mein Tag hat nur 24 Stunden und ich möchte noch ein bisschen Freizeit haben. Deswegen müssen meine Ausführungen fürs erste reichen. Ich gebe gerne zu, dass einige davon mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten sind. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich liebe meinen Job. Ehrlich. Und singe leise *tadatatataaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa* – ich liebe es!

8 Kommentare zu “ Die schillernde Werbewelt ”

  1. sauerklee

    pöh.. jetzt hast du all meine illusionen zerstört..

    :)

  2. verehrer

    da hätte ich aber mehr erwartet.

    und zwar nicht vom beruf der medienschaffenden, sondern von der autorin dieses beitrages. langweilige abgedroschene 08/15 phrasen, fadenscheinige begründungen ohne hand und fuß und eine redakteurin die die verallgemeinerten vorurteile vieler nicht-gestalter soweit verfremdet und bis ins unaushaltbare extrem hinein pauschalisiert dass es einen graust. bevor jemand versucht durch so etwas die medienberufe aus dem vorwurfssumpf zu befreien, und zu zweifelhafter „ehre“ zu verhelfen, erkläre ich jedem otto normal medienopfer die ganze sache doch lieber persönlich.

  3. Maren Woker

    Bedauerlich, dass ich deine Erwartungen nicht erfüllen konnte. Du kannst gerne einen Gastartikel bei uns veröffentlichen, in dem du die Vorurteile gegenüber diesem Beruf gerade rückst. E-Mail genügt. Ich freue mich schon!

  4. bauchbieber

    Vielen Dank für den Hinweis auf Deinen Artikel!
    Deine Erfahrungen kann ich größtenteils nur bestätigen. Es blendet wie so oft der schöne Schein, in diesem Falle als eine Art Autoremission. Ein verblendetes Bild des vermeintlich Blendenden.
    Die potemkinschen Dörfer, errichtet von unseren Medienschaffenden Kollegen beeindrucken doch sehr viele mehr Leute, als man es als Branchenkenner vermutet. Bilder wie sie von Cedric Beigebeder oder auch profanen Soaps gezeichnet werden, entprechen einfach nur zu einem sehr geringem Teil der Realität, wie sie die meisten Werber in Deutschland erleben, prägen aber die Vorstellungen des Archetypus-Werbers so sehr, dass die Verzeichnung bei einigen der Branche sogar die Eigenwahrnehmung beeinträchtigt.
    CU @ mg-forum
    bauchbieber

  5. pop

    Ich muss schon sagen ihr tut mir ja sooooooooooooooooooooooo leid in euren Werbebüros. Die meisten Menschen haben einen Job der sie nicht glücklich macht und deshalb schreiben sie nicht gleich einen Artikel darüber. Es mag sein das manche Menschen eine falsche Vorstellung von diesem Beruf haben aber wen interssiert das?
    Vielleicht sollten sie ja mal über einen Jobwechsel nachdenken Frau Woker

  6. nefliete

    so isses. und es bedarf nur deswegen an aufklräung, weil die anderen alle zu doof sind zwischen tv und realität zu unterscheiden. sie renne wie doof in die agenturen, versuchen zwanghaft in die branche zu kommen und arbeiten an lächerlichen projekten und zu geringen gehältern. sie zerstören die gehälter, sie zerstören die arbeitsplätze und lassen richtigen mediengestaltern keinen platz zum atmen.

    und so fräuleins wie frau woker sind dann auch noch da, die es dann auch nich rallen, das der job nicht scheiße ist und wir uns gar nicht umorientieren wollen, wir in der branche gerne sind und uns auch mit der ein oder anderen sache abfinden können.

    der mediengestalter ist ein schöner und guter beruf, er ist aber nicht vergleichbar mit anderen berufen anderer branchen. das macht ihn zu nichts weiter besonderem, aber zu einem sehr spezifischen beruf der eben andere voraussetzungen benötigt.

    grüße
    nefliete (mg-forum) :)

  7. Karsten Truelsen

    Als leidgeprüfter Diplom-Grafik-Designer, der seit nunmehr 21 Jahren in Werbeagenturen arbeitet, kann ich den sehr lebensnahen und differenzierten Schilderungen der Kollegin Woker schlicht nur Zustimmen. Es geht hier ja auch nicht um einen Beitrag zur beliebten deutschen Jammerkultur, sondern um die präzise Schilderung der echten Arbeitsverhältnisse und Entmystifizierung von tatsächlich vorzufindenden Klischees (gerade bei meinen BOGY- und BORS-Praktikanten). Um allen halbmotivierten und durchschnittsbegabten Unentschlossenen, die vor der Berufswahl stehen und nach einem sogenannten „Trendberuf“ Ausschau halten, zu signalisieren: Finger Weg von der Branche, wenn Ihr es nicht wirklich mit Leidenschaft treiben wollt (gilt eigentlich inzwischen für jeden Medien-Beruf!). Da ist im Zweifelsfall der Job als Fleischfachverkäufer/in die bessere Wahl! Dafür habe ich in meiner Funktion als Creative Director und Personalverantwortlicher schon zu viele Traumtänzer kommen und gehen sehen….

    Zynisch ätzende Kommentare zu Maren Wokers Artikel halte ich im übrigen für wenig adäquat.

    Grüße

    Troll 1

  8. boston5

    die werbung ist die Hölle ..

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