Redakteur

Florian Knörl

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<p>Florian arbeitet in einer vollstufig ausgelegten Druckerei als Medien- gestalter, Fachrichtung Printmedien. Zu seinem Hauptaufgabenbereich gehört der Satz und die Herstellung von Verlags- werken, die Überwachung und Optimierung eines PDF- und Colormanagement- Workflows sowie die technische Betreuung der Vorstufe. In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Fotografie und Buchkunst.
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Egal wo man sich aufhält, überall um einen herum wird mit Text gestaltet. Ob nun die Gestaltung gefällt oder nicht ist Geschmackssache. Ein paar typografische Grundregeln sollten aber beachtet werden, um nicht gleich ins Fettnäpfchen zu treten.

Das arme kleine ß
Das Eszett (ß, scharfes s, trotz Tschichold?s Beharren ist das Eszett wirklich das ß, vgl. Max Bollwage) darf niemals im Versalsatz verwendet werden, auch nicht bei Kapitälchen.

Wir basteln uns einen Kursivschnitt
Schriftschnitte (Kursiv, Halbfett, Leicht etc.) wurden extra vom Schriftgestalter entwickelt und geschnitten. Das einfache Schrägstellen per Knopfdruck (künstlicher Schriftschnitt) oder das Schrägstellen um ca. 13 ° (gebastelter Schriftschnitt) ist zu vermeiden. Einige echte Schriftschnitte sehen schräg gestellt aus, wurden aber mit Bedacht schräggestellt und vor allem im Bereich der Mikrotypografie angepasst.

Echte und falsche Kapitälchen
Mittlerweile werden falsche Kapitälchen (auch durch die Unfähigkeit der Kapitälchen-Darstellung im Internet) kaum mehr als Fehler angesehen. Man sollte dennoch darauf achten, das es einen bedeutenden Unterschied zwischen echten Kapitälchen (zu findem im SC oder Small Caps-Schnitt, bei OpenType-Schriften wird die Funktion meistens über das Schriftmenü der jeweiligen Anwendung angeboten) und den elektronisch erzeugten Behelfskapitälchen gibt. Die Strichstärke wird zu dünn, es schadet dem Körper der Schrift, die Lesbarkeit wird gerade bei längeren Texten durch die auffällige Grauwertstörung verschlechtert.
Falls Kapitälchen in einer Überschrift benutzt werden, fällt der Unterschied zwischen echten und falschen gerade bei Großbuchstaben auf.

Spaltenbreite um jeden Preis
Der erzwungene Blocksatz erweitert zum Ausgleichen der Zeile den Buchstabenabstand (Austreiben). Optisch schonmal nicht wirklich schön, und gerade bei längeren Texten kann ein erzwungener Blocksatz mit der Auszeichnungsmethode des Sperrens verwechselt werden.

Ligaturen ? wenn Buchstaben sich berühren
Einige Satzschriften besitzen sogenannte Ligaturen (zu finden im Expert oder im Alternate-Schnitt, bei OpenType-Schriften über die jeweilige Programmfunktion). Diese Ligaturen sind extra angelegte ?Mehrfachbuchstaben?, die anstelle der einzelnen Buchstaben bei bestimmten Paaren wie z. B. ff, fi, fl, ffi, ffl verwendet werden, um das Schriftbild auszugleichen. Falls die eingesetzte Schrift solche Ligaturen nicht anbietet, ist die Berührung von Oberlängen durch gezieltes Ausgleichen zu vermeiden. Die Berührung von Unterlängen ist schwerer zu vermeiden, dort müsste dann (z. B. beim Kursivschnitt) die Schrift gewechselt werden.

Der Zeilenabstand
Beim Einstellen des Zeilenabstandes (ZAB) ist nicht nur auf den Grauwert (eine ruhige Wirkung der farbgedeckten Bereiche der Drucksache) sondern auch auf die Berührung von Ober- und Unterlänge zu achten. Gerade bei Kompress gesetzten Texten (wenn der ZAB genauso groß eingestellt wird wie die Schriftgröße) kann es zu einer solche Berührung kommen, die nicht unbedingt schön anzusehen ist.

Anführungszeichen haben nichts zu verzollen
Zollzeichen, die auch als Zeichen für die mathematische Sekunde verwendet werden, sind keine Anführungszeichen.
Die ?deutschen? Anführungszeichen (gesetzt wie 99 und 66) sehen schon besser aus und sind auch korrekt, sollten bei längeren Lesetexten allerdings durch Guillemets (französische Anführungszeichen) ersetzt werden, um Kollisionen mit Kommas und Apostrophen zu vermeiden.
Diese Anführungszeichen funktionieren für Lesetexte am besten. Im deutschsprachigen Satz können die Spitzen sowohl nach außen wie auch nach innen gesetzt werden. Zu vermeiden ist allerdings die Verwendung der mathematischen Zeichen für größer als und kleiner als (<>) anstelle von Guillemets.

Das Apostroph gewinnt eine Minute
Fälschlicherweise wird oft das mathematische Zeichen für Minute, der Accent aigu (´ ) oder der Accent grave (`) als Apostroph verwendet.

Gedanken und das Divis
Das Divis sollte nicht als Gedankenstrich verwendet werden.

9 Kommentare zu “ Der typografische Sündenpfuhl ”

  1. Manuel

    Schön beschrieben. Vielleicht hätteste noch beschreiben können wie man richtig sperrt. Das bei gesperrten Wörtern das Leerzeichen vor und nach dem gesperrten Wort ebenfalls gesperrt werden müssen.

  2. frank

    Dem kann ich nur beipflichten… Der Ansatz ist löblich, aber wenn Ihr Leute ansprechen wollt, die damit zu tun haben, ist es eh nur vorhandenes Grundwissen, die die nix damit zu tun haben, und mit dem Lesen bei Euch was lernen wollten, sagen aha, interessant aber nicht wirklich weiterführend :-( Und klicken weg.

    wo ist z. B. das Problem, die Tastaturkürzel für französische Anführungszeichen dazuzuschreiben, woher soll ein Laie wissen, welche Schriftart im Standardwindowsschriftsatz echte Kapitälchen bietet,
    and so on… aber Ihr wollt Euch ja eh noch steigern… ;)
    Viel Erfolg dabei!

  3. Florian Knörl

    Hallo Manuel und frank,
    vielen Dank für eure Mühe und euer Feedback.

    Zu der Sperrung:
    Ja, man sollte die Vor- und Nachbreite vorsichtig mitsperren, allerdings nicht im gleichen Maße wie das gesperrte Wort, sondern optisch passend. Da muss man dann ein wenig herumprobieren, um eine harmonische Wirkung zu erzeugen.

    Zu frank:
    Es ist kein Problem, die Tastenkürzel für Guillemets dazuzuschreiben. Nur sehe ich keinen tieferen Sinn darin. Je nachdem womit ich setze, habe ich entweder eine Glyphenübersicht im Programm integriert oder benutze die jeweilige Zeichentabelle meines Systems. Dort kann ich schnell nachsehen, welches Tastenkürzel ich brauche, oder noch besser, ich stelle die richtigen An- und Abführungen direkt im jeweiligen Programm ein.
    Zu den Kapitälchen: Keine Standard-Windows-Schriftart bietet Kapitälchen. Wie im Text beschrieben ist eben eine gute Satzschrift damit ausgerüstet. Eine Aufzählung der Schriften würde den Rahmen hier sicherlich sprengen. Für mich war wichtig, das Vorhandensein von echten Kapitälchen zu erläutern, und die jeweiligen Schnitte zu benennen, wo sie zu finden sind.

    Viele Grüße
    Florian Knörl

  4. Darkme

    Also ich finde diesen schon sehr nützlich, vorallem, weil ich mir um solche „kleinigkeiten“ noch nicht wirklich sehr viel Gedanken gemacht habe. Aber wenn man die Unterschiede sieht sind sie schon enorm.

  5. frank

    danke für die antwort, doch ich sprach von otto- normalverbrauchern, nicht von leuten mit indesign u.a. an bord… konkret: der blogger: der einen kommentar schreibt, der muss ja nicht mal wissen, dass es es eine zeichentabelle gibt… aber wenn er vor deinem kommentarformular sitzt, wärs hilfreich: »es ist kein problem die tastenkürzel …zu schreiben« alt 0187 und alt 0171… man benutzt doch sonderzeichen so oft undd klar haben mediengestalter einen grossen oder 2 displays wo immer noch ne sonderzeichentabelle platz hat, in homesite ist mir übrigens keine voreinstellung bewusst, wo ich das automatisch angebe…

  6. Thurid

    Ich habe mich über diese Auflistung sehr gefreut. Zeigt sie doch, dass es nicht unnötig ist, Mediengestalter-Azubis weiterhin diese grundlegenden Regeln beizubringen. Viele sperren sich heute dagegen und sagen »das interessiert doch eh keinen«, wohl mit dem Hintergedanken, dass viel Schrott lieblos gedruckt oder sonstwie produziert wird und sie es dann ja auch nicht wissen müssen. Grafiker achten ja mangels Typografie-Vorlesungen oder -Wissen selten auf falsch verwendete Divise oder darauf, dass vor Ausrufezeichen keine Wortzwischenräume stehen sollten (bäh!). Vielleicht liest das hier einer der Uni-Kollegen und schreibt sichs hinter die Ohren und unsere Medienlandschaft wird wieder »sauberer«. Und wen es wirklich interessiert, der informiert sich, wie Befehle getastet werden. Also danke dafür!

  7. sBLOGet » Blog Archive » Wörter dieser Welt

    […] Eine gemeinsame Recherche ergab, dass es im Internet einen Sündenpfuhl typografischer Natur gibt. Außerdem behauptet der Duden, dass es ein kleiner Teich ist. Und in Neu-Ulm benennt man gar einen Stadtteil so. […]

  8. neolith

    Eine sehr gute Liste!

  9. Ulrich Paasch

    Das in der Abbildung gezeigte Apostroph ist gar kein Apostroph, sondern ein einfaches schließendes Anführungszeichen. Beim korrekten Apostroph steht das dicke Ende oben; es sieht aus wie eine kleine 9 oder wie ein hochgeschobenes Komma.

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